Kreuzfahrt: Bremerhaven – Amsterdam – Rotterdam – Brügge – Le Havre
Im März 2024 fanden wir – wieder einmal – ein echtes Reise-Schnäppchen: „7 Nächte Europas Westküste im Adventsglanz ab/bis Bremerhaven mit Mein Schiff 3“. Und das mit all inclusive für EUR 999,— pro Nase in der Außenkabine. Da mussten wir einfach zugreifen. Amsterdam kannten wir schon von früheren Reisen, Rotterdam, Brügge und Le Havre noch nicht. Wir waren gespannt auf die Städte.
Reisezeitraum: 01.12.-08.12.2024
Text: Petra
Fotos: Petra und Harald
Tag 1: Anreise nach Bremerhaven – Von Pünktlichkeit, Zugdramen und dem ersten Abend an Bord
Frühstart am 1. Advent
Am Sonntag, den 1.12. – passend zum 1. Advent – klingelte der Wecker zu nachtschlafender Zeit. Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns einmal mehr auf den Weg zum Bahnhof. Unser Zug nach Nürnberg war – man glaubt es kaum – tatsächlich pünktlich. Ein vielversprechender Start und vermutlich das erste kleine Weihnachtswunder des Tages.
In Nürnberg hatten wir eine Stunde Aufenthalt, bevor es mit dem ICE weiter nach Bremen ging. Auch dieser fuhr pünktlich ein und fast pünktlich wieder los. Fast ist in diesem Fall das entscheidende Wort.
Wenn Züge andere Pläne haben
Unser ICE bestand nämlich aus zwei zusammengekoppelten Zügen. Der vordere Teil fuhr nach Bremen, der hintere nach Hamburg. In Hannover sollten die beiden Züge getrennt werden – wohlgemerkt: sollten.
Leider erwies sich die Technik als wenig kooperativ und die Trennung wollte partout nicht gelingen. Ein freundlicher Zugbegleiter informierte uns darüber und versicherte den Fahrgästen Richtung Bremen, man bemühe sich um einen Ersatzzug in Hannover. Das klang allerdings eher nach „Wir drücken gemeinsam die Daumen“.
Prompt wurden überall im Abteil Handys gezückt und alternative Verbindungen geprüft. Man merkte: Die Deutsche Bahn hatte ihre Fahrgäste wieder erfolgreich in Hobby-Reiseplaner verwandelt.
Kurz vor Hannover kam dann die endgültige Nachricht: Kein Ersatzzug. Stattdessen sollten wir mit dem Regionalexpress 8 weiterfahren, der immerhin direkt nach Bremerhaven – unserem eigentlichen Ziel – fuhr.
Allgemeine Begeisterung… hielt sich verständlicherweise in Grenzen.
Auf nach Bremerhaven
Am Bahnsteig drängten sich die Fahrgäste und wir stiegen in den gut gefüllten RE 8. Der Versuch, die erste Klasse zu erreichen, war aussichtslos, aber immerhin ergatterten wir Sitzplätze – in solchen Momenten fühlt sich das bereits wie ein kleiner Sieg an.
Zwei Stunden später erreichten wir schließlich Bremerhaven. Dort wartete bereits der Shuttlebus, der uns direkt zum Schiff brachte. Endlich Urlaubsmodus!
Endlich an Bord
Das Einchecken verlief erfreulich schnell und unkompliziert. Unsere Koffer würden direkt zur Kabine 3012 gebracht werden – also gönnten wir uns zunächst einen kleinen Imbiss.
Da ich frisches Obst liebe und hier eine wunderbare Auswahl bereitstand, stellte ich mir erst einmal einen bunten Obstteller zusammen, mixte mir einen Sommerspritzer und suchte uns einen gemütlichen Platz. Mein Mann blieb seiner Linie treu: Fleisch, Käse und ein Glas Rotwein. Jeder eben nach seinem Geschmack.
Anschließend suchten wir unsere Kabine auf Deck 3 auf. Unser Koffer stand bereits vor der Tür – perfektes Timing. So konnte ich gleich auspacken und alles verstauen.
Ein gelungener erster Abend
Bis zur obligatorischen Sicherheitseinweisung überbrückten wir die Zeit mit einer kleinen Ruhepause und etwas Fernsehen. Die Einweisung war erfreulich kurz, sodass wir rechtzeitig zum Abendessen aufbrechen konnten.
Wir entschieden uns für das 5-Gänge-Menü im Atlantik, dem Hauptrestaurant der Mein-Schiff-Flotte. Das Essen war – wie gewohnt – ausgezeichnet. Lediglich der Service wirkte an diesem Abend etwas holprig, was wir von früheren Reisen so nicht kannten.
Gut gesättigt und zufrieden verließen wir das Atlantik und machten uns zurück auf den Weg zur Kabine. Das Unterhaltungsprogramm ließen wir an diesem Abend ausfallen. Nach dem langen Reisetag war das Bett einfach die verlockendere Option.
Kaum lagen wir darin, waren wir auch schon eingeschlafen.
Und außerdem: Morgen war ja auch noch ein Tag – und das Schiff lief schließlich nicht weg.
Tag 2: Seetag – Kaltes Wasser, gutes Essen und gepflegte Entschleunigung
Der Morgen beginnt sportlich
Wir hatten gut geschlafen, waren ausgeruht und voller Tatendrang. Noch vor dem Frühstück wollten wir eine Runde schwimmen gehen – schließlich lockte der 25-Meter-Pool auf Deck 12.
Also hinein in die Badesachen, Bademantel übergeworfen und ab nach oben. Dort angekommen wurden wir allerdings von einem kräftigen, stürmischen Wind empfangen. Trotzdem gingen wir optimistisch davon aus, dass das Wasser wenigstens angenehm temperiert sein würde.
Ein kurzer Zehentest belehrte uns eines Besseren.
Das Wasser war nicht halbwegs warm. Es war schlicht und ergreifend kalt.
Nun standen aber bereits andere Schwimmer bereit und wir wollten uns natürlich keine Blöße geben. Also stiegen wir mit bewundernswerter Tapferkeit ins Wasser.
Die ersten Meter waren begleitet von leichter Schnappatmung, aber nach ein paar Bahnen machte das Schwimmen tatsächlich richtig Spaß. Nach zehn Runden allerdings kroch die Kälte langsam wieder in uns hoch.
Aufwärmen mit Stil
Zum Glück lag direkt nebenan das Hallenbad. Dort tauten wirim warmen Wasser erst einmal wieder auf, bevor wir zurück zur Kabine gingen und uns auf das Frühstück freuten.
Im Atlantik erwartete uns erneut ein wunderbares Frühstücksbuffet. Lachs und Heringe in allen Variationen – da musste man einfach zugreifen. Und natürlich durfte auch ein kleines Gläschen Sekt nicht fehlen. Rein medizinisch betrachtet diente es selbstverständlich nur dazu, den Kreislauf endgültig in Gang zu bringen.
Wissenswertes rund um Amsterdam
Gut gestärkt ging es anschließend auf Deck 4 ins Theatro. Dort erhielten wir erste Informationen über Amsterdam und Rotterdam.
Danach übernahm der Lektor Harald Spilker das Wort und referierte unterhaltsam über Amsterdams Coffeeshops, Tulpen und Käse – also im Grunde über alles, was man spontan mit den Niederlanden verbindet. Man ging auf jeden Fall ein gutes Stück schlauer wieder hinaus.
Entschleunigung auf See
Den restlichen Tag ließen wir gemütlich angehen. Wir spazierten durchs Schiff, drehten unsere Runden über die Außendecks und machten es uns später mit Getränken und unseren Büchern in der Lounge bequem.
Ein Seetag hat eben seinen ganz eigenen Rhythmus: nichts müssen, einfach treiben lassen und die Zeit genießen.
Zur Abendunterhaltung mussten wir an diesem Tag nicht einmal die Kabine verlassen. Das Programm wurde bequem im Fernseher übertragen – Unterhaltung im Liegen sozusagen. Ein Service ganz nach unserem Geschmack.
Da wir am nächsten Morgen in Amsterdam anlegen würden und die Stadt auf eigene Faust zu Fuß erkunden wollten, gingen wir früh schlafen.
Und wie sich wieder einmal zeigte: Seeluft macht nicht nur hungrig – sie macht auch herrlich müde.
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Tag 3: Amsterdam – Grachten, Geschichte und rote Lichter
Ankunft in Amsterdam
Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster sahen, hatten wir bereits am modernen Passenger Terminal Amsterdam (PTA) festgemacht, das nördlich der Innenstadt liegt. Ein schöner Anblick am frühen Morgen.
Nach dem Fertigmachen ging es erst einmal zum Frühstück – und diesmal etwas ausgiebiger. Schließlich hatten wir vor, Amsterdam auf eigene Faust zu erkunden und ein ordentliches Programm vor uns.
Gut gestärkt verließen wir das Schiff und spazierten über das Oosterdokseiland in Richtung Bahnhof. Bereits nach wenigen Minuten zeigte sich Amsterdam von seiner schönen Seite. Zu unserer Linken lag das markante NEMO Science Museum, das wie ein Schiffsrumpf aus dem Wasser ragt und über eine Brücke erreichbar ist. Gegenüber entdeckten wir das imposante Grand Hotel Amrâth Amsterdam.
Entlang der Grachten
Wir bogen in die Kamperbrug ein, kamen an der Basilika Sankt Nikolaus vorbei und schlenderten anschließend gemütlich entlang der Gracht Geldersekade.
Da wir sehr früh unterwegs waren, gehörte uns Amsterdam fast allein. Die Straßen waren noch ruhig, die Grachten lagen friedlich da und die Stadt wirkte beinahe verschlafen. Entlang des Wassers reihten sich wunderschöne historische Gebäude aneinander und immer wieder gab es kleine Details zu entdecken – darunter auch die Bronzestatue „Dame sitzend auf einer Bank“, die uns sofort ins Auge fiel.
Von Chinatown bis ins Rotlichtviertel
Unser Weg führte weiter durch Chinatown und über die Korte Niezel in den Oudezijds Voorburgwal.
An der De Oude Kerk entdeckten wir ein Hinweisschild, das uns sehr gefiel. So etwas dürfte gern auch bei uns häufiger zu sehen sein.
Danach wurde es… nun ja… etwas bunter.
Vorbei am Quartier Rouge, dem Erotic Museum und dem Museum of Prostitution fragten wir uns kurz: Wo sind wir denn hier gelandet? Amsterdam versteht es eben, Geschichte, Kultur und ein etwas anderes Freizeitprogramm sehr direkt miteinander zu verbinden.
Ein ruhiger Gegenpol: Der Beginenhof
Nach all den Eindrücken erreichten wir schließlich den Beginenhof (Begijnhof), einen der ältesten noch erhaltenen Innenhöfe Amsterdams.
Plötzlich wurde es ruhig. Fast ein wenig wie eine kleine Oase mitten in der lebhaften Stadt. Die Geschichte dieses besonderen Ortes ist spannend und kann – für alle Interessierten – problemlos bei Wikipedia nachgelesen werden.
Auf dem Weg dorthin kamen wir außerdem noch am Amsterdam Dungeon vorbei – einer Mischung aus Museum, Theater und Attraktion, die auf unterhaltsame Weise tatsächliche Ereignisse aus Amsterdams Geschichte darstellt. Für uns blieb es allerdings beim Vorbeigehen.
Zehn Kilometer später …
Langsam machten sich unsere Beine bemerkbar und auch ein leichter Hunger stellte sich ein. Also beschlossen wir, den Rückweg zum Schiff anzutreten.
Über die Spuistraat und den Raamsteeg gelangten wir zur Singelgracht und liefen weiter Richtung Bahnhof. Dabei beobachteten wir das geschäftige Treiben auf den Grachten – Boote glitten vorbei, Radfahrer flitzten durch die Straßen und Amsterdam zeigte noch einmal seine ganze Lebendigkeit.
Weiter ging es über die Prins Hendrikkade bis zum sogenannten „Bleistift von Amsterdam“, ehe wir über die Oosterdoksbrug den Bahnhof und schließlich wieder unser Schiff erreichten.
Dort kamen wir müde, aber zufrieden an.
Mein Schrittzähler verkündete stolz: 10 Kilometer. Unsere Beine bestätigten diese Angabe ohne jeden Zweifel.
Abschied von Amsterdam
Am Abend saßen wir entspannt beim 5-Gänge-Menü, als plötzlich „Große Freiheit“ von Unheilig erklang und das Schiff langsam ablegte.
Amsterdam verschwand langsam am Horizont und wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren.
Wenn wir am nächsten Morgen aufwachen, sind wir bereits in Rotterdam.
Und bis dahin dürfte sich der Schrittzähler wieder beruhigen.
Buch-Tipp: Unnützes Wissen über Amsterdam
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Tag 4: Rotterdam – Zwischen Schwan, Skyline und spektakulärer Markthalle
Guten Morgen, Rotterdam!
Über Nacht waren wir in Rotterdam angekommen und hatten direkt am Cruise Terminal festgemacht. Natürlich wollten wir sofort wissen, wie unsere Umgebung aussah. Also ging es gleich hinauf aufs Aussichtsdeck.
Der erste Blickfang ließ nicht lange auf sich warten: die imposante Erasmusbrücke. Sie wurde nach Erasmus von Rotterdam benannt und vom Architekten Ben van Berkel als asymmetrische Schrägseilbrücke entworfen.
Die Rotterdamer nennen sie liebevoll „De Zwaan“ – der Schwan. Betrachtet man den 139 Meter hohen, weißen Pylon, versteht man sofort warum: elegant, geschwungen und unverwechselbar.
Aufbruch in die Stadt
Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auf den Weg, Rotterdam zu erkunden.
Kaum hatten wir das Schiff verlassen, standen wir auch schon auf der Erasmusbrücke. Mit ihren 802 Metern Länge und einer Hauptspannweite von 278 Metern beeindruckt sie nicht nur optisch. Ein Teil der Südseite lässt sich sogar aufklappen, damit größere Schiffe passieren können.
Mitten auf der Brücke blieben wir erst einmal stehen – und das aus gutem Grund. Von dort bot sich eine herrliche Aussicht auf die Nieuwe Maas, die historischen Fassaden von Noordereiland – der Insel mitten im Fluss – und natürlich auf die moderne Skyline Rotterdams.
Auf der einen Seite die Hochhäuser des nördlichen Ufers, auf der anderen das Wilhelminapier – ein spannender Kontrast zwischen Geschichte und moderner Architektur.
Man hätte dort problemlos noch länger stehen bleiben können. Aber der Himmel sah zunehmend nach Regen aus und wir wollten unser erstes Tagesziel erreichen: die Markthalle.
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Durch Rotterdam Richtung Markthal
Also rissen wir uns schweren Herzens von der Aussicht los und marschierten über die Schiedamsedijk in Richtung Innenstadt.
An der Kreuzung Churchillplein–Blaak bogen wir in die Blaakstraße ein. Direkt an der Ecke liegt das Maritiem Museum Rotterdam – ein sehenswertes Schifffahrtsmuseum mit historischen Schiffen, Hafenmodellen und interaktiven Bereichen. Besonders für Familien dürfte es ein echtes Highlight sein.
Weiter ging es am Kunstwerk Blaak vorbei, anschließend über die Dominee Jan Scharpstraat und die Verlengde Nieuwstraat.
Und dann standen wir plötzlich davor.
Die Markthalle – ein echter Hingucker
Ich habe in den vergangenen Jahren schon einige Markthallen gesehen – aber keine wie die in Rotterdam.
Schon von außen beeindruckt das Gebäude durch seine ungewöhnliche Form. Und sobald man eintritt, bleibt der Blick fast automatisch nach oben gerichtet.
Die riesige, bogenförmige Halle wirkt fast wie eine Mischung aus Markt, Kunstgalerie und futuristischem Bauwerk. Über den Ständen spannt sich ein gewaltiges Kunstwerk über die gesamte Decke – bunt, lebendig und einfach beeindruckend.
Spätestens hier war klar: Rotterdam kann mehr als Hafen und Hochhäuser.
Und unser Rundgang war ja noch längst nicht zu Ende.
Die Markthalle – ein Paradies für Genießer
Die Markthalle ist weit mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Sie vereint Marktstände, Wohnungen, Geschichte und sogar Parkplätze unter einem Dach – ein Konzept, das man so nicht alle Tage sieht.
Unter dem riesigen Bogen befinden sich über 100 Marktstände. Die gewölbte Decke ist vollständig mit riesigen 3D-Darstellungen von Lebensmitteln bedeckt und allein schon ein Kunstwerk für sich. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekturbüro MVRDV, die rund 11.000 Quadratmeter große Decke stammt vom Künstler Arno Coenen.
Kulinarisch blieb wirklich kein Wunsch offen: Käse, Würste, Gewürze, Obst, Gemüse, Wein, Öle und viele weitere Spezialitäten wurden angeboten. An vielen Ständen durfte probiert werden – und das wurde uns beinahe zum Verhängnis.
Denn es war soooo lecker.
Dazu kamen die freundlichen Verkäuferinnen und Verkäufer und die Tatsache, dass alles ordentlich eingeschweißt wurde. Kurz gesagt: Wir haben zugeschlagen.
Unsere Taschen wurden schwerer und die Urlaubskasse etwas leichter – aber das gehörte eindeutig unter die Kategorie gut investiert.
Bitterballen und Glühwein
Mit unserer kulinarischen Beute machten wir uns auf zu den Imbissständen.
Wenn schon Niederlande, dann sollte es auch etwas Typisches sein. Also entschieden wir uns für Bitterballen – kleine frittierte Fleischkroketten – dazu einen Glühwein zum Aufwärmen.
Eine Kombination, die vielleicht nicht ganz nach Sterneküche klingt, aber hervorragend schmeckte und uns neue Energie für den weiteren Rundgang gab.
Gut gestärkt verließen wir anschließend die Markthalle.
Die Kubushäuser – Wohnen mit Schräglage
Da wir die Markthalle auf der gegenüberliegenden Seite verließen, standen wir plötzlich direkt auf dem Platz mit den berühmten Kubushäusern.
Und die sind wirklich faszinierend.
Das Konzept dahinter lautet: Ein Haus wie ein Baum.
Der untere Bereich mit Eingang und Treppenhaus bildet den „Stamm“ und besteht aus grauem Betonstein. Die eigentliche Wohnung – die „Krone“ – ist um 45 Grad gekippt und bildet den auffälligen Würfel.
Die Wohnungen verteilen sich über drei Etagen:
1. Etage: Küche und Wohnbereich
2. Etage: Zwei Schlafzimmer und Bad
3. Etage: Ganz oben, lichtdurchflutet durch Fenster rundherum – ideal als Kinderzimmer oder gemütlicher Rückzugsort zum Lesen und Musikhören.
Beeindruckend anzusehen sind die Häuser auf jeden Fall.
Regen über dem Alten Hafen
Inzwischen begann es leicht zu tröpfeln, doch wir setzten unseren Weg fort. Unser nächstes Ziel war der Oudehaven, der Alte Hafen.
Er entstand bereits um 1350 und war der erste Hafen Rotterdams. Heute ist daraus ein lebendiges Viertel mit Restaurants, Terrassen und viel Atmosphäre geworden.
Direkt daneben steht das Het Witte Huis – das Weiße Haus. Das 1898 erbaute Gebäude gilt mit seinen 45 Metern Höhe als erster anerkannter Wolkenkratzer Europas.
Das zehnstöckige Jugendstilgebäude wurde vom Architekten Willem Molenbroek entworfen und steht auf rund 1.000 Pfählen, damit es im weichen Untergrund nicht absinkt.
Leider wurde der Regen nun deutlich stärker und unsere Begeisterung fürs weitere Sightseeing nahm proportional dazu ab. Also beschlossen wir, den Rückweg zum Schiff anzutreten.
Rotterdam – da wäre noch mehr gewesen
Rotterdam hat uns wirklich überrascht und ein paar Stunden reichen definitiv nicht aus. Für alle, die mehr Zeit mitbringen, hier noch einige Tipps:
Euromast
Mit 182 Metern Höhe ist der Aussichtsturm ein Wahrzeichen der Stadt und der höchste Aussichtsturm der Niederlande. Bei gutem Wetter kann man sogar bis nach Den Haag, Delft und Gouda blicken. Für Kaffeefans gibt es außerdem eine empfehlenswerte Kaffeecorner im Erdgeschoss.
Remastered
Hier treffen alte niederländische Meister auf moderne Technik. Man taucht in digitale Welten ein, spaziert durch Kunstwerke und erlebt Van Gogh einmal ganz anders.
Miniworld, Zoo und Freizeitparks
Ideal für Familien oder alle, die Rotterdam noch weiter erkunden möchten.
St.-Laurentius-Kirche (Sint Laurenskerk)
Die zwischen 1449 und 1525 errichtete spätgotische Kirche wurde ursprünglich als katholische Kathedrale gebaut und nach der Reformation protestantisch genutzt. Besonders bekannt ist sie für ihr Glockenspiel.
Witte de Withstraat
Eine der beliebtesten Straßen Rotterdams – voller Bars, Restaurants, Galerien und Kultur.
Rotterdam hätte uns problemlos noch einen weiteren Tag beschäftigt.
Doch am Abend hieß es wieder Abschied nehmen.
Und wenn wir morgen früh aufwachen, sind wir bereits in Zeebrügge.
Tag 5: Zeebrügge und Brügge – Schokolade, Weihnachtszauber und ungeplante Schuhkäufe
Ankunft in Zeebrügge
Am Morgen hatten wir im Industriehafen von Zeebrügge angelegt. Da das Hafengelände nicht einfach zu Fuß betreten werden darf und wir ohnehin mit der Bahn nach Brügge fahren wollten – die Stadt liegt etwa 20 Kilometer entfernt – brachte uns ein Shuttlebus zum Bahnhof.
Dort halfen uns freundliche Bahnangestellte beim Ticketkauf. Da unser Zug erst in gut einer halben Stunde abfahren sollte, umrundeten wir noch das Bahnhofsgebäude und spazierten durch einen kleinen Park.
Zurück am Bahnsteig fuhr unser Zug auch schon ein und – man höre und staune – er fuhr pünktlich ab.
Pünktliche Züge. Es gibt sie also wirklich.
Willkommen in Brügge
In Brügge angekommen, überquerten wir über eine Behelfsbrücke zunächst eine größere Kreuzung und machten uns dann auf den Weg in die Altstadt.
Brügge wurde im Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt – und schon nach den ersten Schritten verstand man warum.
Charakteristisch sind die vielen Kanäle, die der Stadt den Beinamen „Venedig des Nordens“ eingebracht haben. Dazu kommen kopfsteingepflasterte Straßen, mittelalterliche Gebäude und eine Atmosphäre, die besonders zur Weihnachtszeit fast märchenhaft wirkt.
Natürlich hatten wir auch ein kulinarisches Ziel: Schokolade, Pralinen, Waffeln, belgische Pommes und belgisches Bier wollten getestet werden. Rein wissenschaftlich natürlich.
Der ungeplante Schuhkauf
Wir schlenderten durch die Oostmeersstraat, weiter über die Goezeputstraat, die Kleine Heilige Geeststraat und schließlich in die Sint-Salvatorskoorstraat.
Dann geschah etwas völlig Unerwartetes.
Wir standen plötzlich vor einem Schuhgeschäft, das mit Rabatten warb.
Jeder, der mich kennt, grinst jetzt wahrscheinlich schon.
Ja, wir gingen hinein.
Und ja – wir kauften Schuhe.
Allerdings nicht für mich.
Sondern für meinen Mann.
Komischerweise findet er im Ausland regelmäßig schönere Schuhe als zuhause. Dieses Phänomen gehört inzwischen vermutlich zu unseren festen Reiseprogrammpunkten.
Weihnachtsmarkt und belgische Spezialitäten
Danach schlenderten wir weiter über den Weihnachtsmarkt. Überall lagen verführerische Düfte in der Luft und erzeugten ein leichtes Hüngerchen.
Da es recht kühl und schattig war, verzichteten wir auf die Außenstände und kehrten lieber in ein kleines Bistro ein.
Es gab Pommes, dazu für meinen Mann ein dunkles Bier und für mich einen heißen Tee, der sehr lecker war..
Die Pommes waren außen herrlich knusprig, innen weich und perfekt gewürzt. Das Bier – laut fachkundigem Urteil meines Mannes – war dunkel und ausgesprochen süffig.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zum Weihnachtsmarkt am Burgplatz.
Herrlich schwarzhumorige Komödie mit Colin Farrell, Ralph Fiennes, Brendan Gleeson u.a., die Sie mitnimmt ins vorweihnachtlich verschneite Brügge. So schönes Wetter hatten wir nicht – aber dafür gibt’s ja diesen Film. Da kann man sich das anschauen und wird dazu noch bestens unterhalten.
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Weihnachtszauber am Burgplatz
Die Burg wirkte mit ihren filigranen Türmchen fast eher wie ein kleines Schloss. Im warmen Licht der Weihnachtsbeleuchtung und mit dem festlichen Flair konnte man gut verstehen, warum die Brügger diesen Platz die „Seele Brügges“ nennen.
Natürlich durfte auch hier die kulinarische Forschung nicht ruhen:
Glühwein und Waffeln mussten getestet werden.
Der Glühwein war gut.
Die Waffeln… nun ja.
Sagen wir es diplomatisch: Meine Erwartungen waren größer.
Der Belfried wacht über die Stadt
Auf unserem weiteren Weg entdeckten wir schließlich den berühmten Belfried.
Der 83 Meter hohe Turm wacht seit Jahrhunderten über die Stadt und wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut. Zwischen 1482 und 1486 erhielt er seinen achteckigen Aufbau aus Brabanter Sandstein.
Ursprünglich besaß er sogar eine hölzerne Spitze, die jedoch zunächst durch einen Brand und später – 1741 – durch einen Blitzeinschlag zerstört wurde.
Heute gehört auch der Belfried zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Leider fehlte uns die Zeit für den Aufstieg über die 366 Stufen bis zur Spitze. Unsere Beine waren nach den vergangenen Tagen vermutlich ohnehin nicht allzu traurig darüber.
Schokolade geht immer
Auf dem Rückweg schlenderten wir noch durch verschiedene kleine Gässchen und entdeckten viele liebevoll gestaltete Geschäfte.
An einem Laden kamen wir allerdings unmöglich vorbei.
Die Auslage zog uns magisch hinein.
Schokolade. Überall Schokolade.
Hier mussten wir einfach noch einmal zuschlagen.
Die Auswahl war allerdings so groß, dass wir mehr Zeit vertrödelten als geplant und uns anschließend etwas beeilen mussten, um unseren Zug noch zu erreichen.
Die Rückfahrt nach Zeebrügge verlief ruhig und wenig spektakulär. Zurück auf dem Schiff freuten wir uns vor allem auf unsere warme Kabine.
Fazit: Brügge verdient mehr Zeit
Brügge hat uns begeistert.
Diese Stadt sollte man nicht in ein paar Stunden abhaken. Dafür gibt es zu viele kleine Gassen, zu viele schöne Ecken und eindeutig zu viele Schokoladengeschäfte.
Wir werden wiederkommen.
Dann aber mit etwas mehr Zeit im Gepäck.
Morgen werden wir in **Le Havre aufwachen.
Wer nicht gänzlich unvorbereitet in diese schöne Stadt fahren möchte, besorgt sich vorher einen Stadtführer. Dieser hier wartet mit zwei Plänen auf und zahlreichen, bebilderten Tipps.
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Tag 6: Le Havre – Zwischen Moderne, Weihnachtszauber und Beton mit Geschichte
Ankunft in Le Havre
Le Havre blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Stadt wurde von König Franz I. gegründet, wurde durch Handel mit Zucker, Kaffee und anderen Waren wohlhabend, entwickelte sich in der Belle Époque zu einem beliebten Badeort und wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört.
Nach dem Krieg entstand Le Havre neu – modern, hell und funktionell – nach den Plänen des Architekten Auguste Perret.
Doch bevor wir uns all das anschauen konnten, kam natürlich die wichtigste Frage des Morgens:
Blick aus dem Fenster – liegen wir schon am Kai?
Ja, wir lagen bereits fest vertäut und würden bis 18 Uhr bleiben.
Also: schnell ins Bad, zum Frühstück und anschließend auf Erkundungstour.
Aufbruch in die Stadt
Der Shuttlebus brachte uns zum Place de l’Hôtel de Ville, dem Rathausplatz.
Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg und liefen die Rue de Paris entlang. Schon bald erreichten wir eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt: Le Volcan.
Le Volcan – Kultur im Doppelvulkan
Das Kulturzentrum trägt offiziell den Namen Maison de la Culture du Havre, wird wegen seiner außergewöhnlichen Form aber schlicht „Le Volcan“ genannt.
Entworfen wurde es vom Stararchitekten Oscar Niemeyer. Die Bauzeit zog sich von 1972 bis 1982.
Nach der Sanierung entstand eine Anlage aus zwei weißen „Vulkanen“:
- Grand Volcan: Sitz der nationalen Bühne (Scène Nationale)
- Petit Volcan: Mediathek mit Filmräumen, Hörstationen und sehr schnellem WLAN
Allein die Architektur macht einen Besuch lohnenswert.
Denkmäler und Kathedralen
Direkt gegenüber von Le Volcan liegt der Place Général de Gaulle mit dem Monument aux Morts. Etwas weiter entfernt fällt die elegante Fußgängerbrücke Passerelle François le Chevalier ins Auge – eine moderne Schrägseilbrücke.
Wir folgten weiter der Rue de Paris bis zur Cathédrale Notre-Dame.
Sie ist wirklich schön – allerdings sollte man keine Ähnlichkeit mit der berühmten Pariser Namensvetterin erwarten.
Markthallen und ein Brief an den Nikolaus
Da wir anschließend die Markthallen besuchen wollten, gingen wir zurück, bogen in die Rue Richelieu ein und erreichten kurz darauf die Hallen.
Schon außen warteten Verkaufsstände mit allerlei Leckereien.
Wir schlenderten gemütlich hindurch und standen plötzlich vor dem hübsch dekorierten Geschäft „Le Tour des Douceurs“.
Am Eingang entdeckte ich eine Letterbox für Briefe an den Nikolaus.
Leider hatte ich weder Briefpapier noch Stift dabei.
Sonst hätte der Nikolaus vermutlich Post aus Le Havre bekommen.
St. Michel – moderne Kirche mit Symbolik
Da wir uns im Urlaub gerne Kirchen ansehen – egal ob im In- oder Ausland – wollten wir unbedingt zur St.-Michel-Kirche.
Wir gingen zurück über den Rathausplatz und erreichten die Kirche nach einem kurzen Spaziergang.
Und sie überraschte uns.
Die moderne Kirche wurde 1964 fertiggestellt. Das Dach symbolisiert eine aufgeschlagene Bibel, während der freistehende, 42 Meter hohe Glockenturm eine Kerze darstellen soll.
Besonders schön fanden wir den großen Wandteppich „Joie Pascale“ (Osterfreude), der seit 1976 den Chor schmückt.
Durch die farbigen Fenster wirkte die Kirche hell, freundlich und einladend.
Weihnachtszauber am Rathausplatz
Langsam mussten wir uns auf den Rückweg machen. Über die Avenue René Coty gelangten wir zurück zum Rathaus.
Der weihnachtlich geschmückte Park vor Rathaus und Theater zog uns sofort in seinen Bann.
Hier musste natürlich erst einmal fotografiert werden. Auch der kleine Weihnachtsmarkt mit Kinderkarussell und Riesenrad gefiel uns ausgesprochen gut.
Der Duft von gebrannten Mandeln lag überall in der Luft und begleitete uns durch die Stände.Besonders schmunzeln musste ich bei einem Stand voller Pokémon- und Plüschfiguren.Den musste ich einfach fotografieren. Schließlich besitze ich selbst zwei Pikachus – und einer davon ist sogar ein Original aus Japan.
Manche Dinge reisen eben auch gerne.
Rückblick auf Le Havre
Langsam wurde es Zeit, den Bus zurück zum Schiff zu erreichen.
Le Havre hatte uns überrascht.
Die Stadt wirkt auf den ersten Blick modern und sachlich, doch hinter der Betonarchitektur steckt viel Geschichte.
Zur Einordnung noch ein paar historische Fakten:
Le Havre – heute der zweitgrößte Hafen Frankreichs – wurde 1517 von König Franz I. an der Mündung der Seine gegründet. Über Jahrhunderte war die Stadt ein bedeutender Auswanderungshafen für Überfahrten nach Amerika.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Le Havre zu einem wichtigen Handelszentrum für Kaffee, Baumwolle, Gewürze und Tropenhölzer.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt schwer zerstört. Anschließend plante und errichtete Auguste Perret den Wiederaufbau mit seiner charakteristischen Betonarchitektur.
Seit 2005 gehört die Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Morgen würden wir erst einmal einen Seetag genießen.
Und übermorgen werden wir bereits wieder in Bremerhaven ankommen.
Viele (aber nicht alle) unserer Fotos machen wir mit der EOS R10 von Canon. Wir verwenden Sie im Moment mit dem mitgelieferten RF-S 18-45mm F4.5-6.3 is STM Zoomobjektiv.
Und wir lernen die Möglichkeiten dieser tollen Kamera gerade erst kennen.
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