Hurtigruten vom 03.04. – 17.04.2026
Die Hurtigruten geistern seit rund 20 Jahren durch unsere Reisewünsche. 2026 haben wir’s dann endlich in die Tat umgesetzt.
Mit dem Postschiff an der norwegischen Küste entlang: Von Fjorden, Trollen, Orkan Dave und einem einsamen Moment an Europas nördlichstem Punkt.
Route: Hamburg – Seetag – Savanger – Ålesund – Rørvik – Lofoten: Svolvær + Stokmarknes – Tromsø – Honningsvåg (Nordkap) – Alta – Narvik – Seetag – Åndalsnes – Bergen – Seetag – Hamburg
Reisezeitraum: 02.04. – 17.04.2026
Hotel/Schiff:
Hotel Elbgalerie Hamburg, MS Finnmarken
Text: Petra
Fotos: Petra und Harald
Anreise – Zwischenübernachtung in Hamburg
Nachdem wir – völlig überraschend natürlich – ein gewisses Misstrauen gegenüber der Deutschen Bahn entwickelt hatten (und das auch noch zu Recht!), entschieden wir uns, lieber einen früheren Zug nach Nürnberg zu nehmen. Am Bahnhof angekommen, hätten wir eigentlich noch gemütliche 15 Minuten warten müssen… stattdessen rollte der Zug ein, der bereits 25 Minuten vorher hätte abfahren sollen. So viel also zum Thema Pünktlichkeit.
In Nürnberg dann die nächste angenehme Überraschung: Mein Mann stellte fest, dass wir dank der im letzten Jahr fleißig gesammelten Bahn-Bonuspunkte trotz Sparpreis Zugang zur Lounge hatten. Also nichts wie hin! Dort gönnten wir uns entspannt Kaffee und Wasser, bis unser ICE – man glaubt es kaum – pünktlich eintraf.
Im Zug dann gleich das nächste Highlight: freie Getränke! (auch wegen der Bonuspunkte) Und weil es bei uns zur liebgewonnenen Tradition gehört, eine Reise mit einem Piccolo zu beginnen, bestellten wir genau diesen. Kommentar der freundlichen Servicekraft: „Warum nur einen? Ist doch so klein!“ – ein Argument, das man schwer widerlegen kann.
Die Weiterfahrt nach Hamburg verlief erfreulich unspektakulär. Dort angekommen, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel **Elbgalerie**, strategisch günstig gelegen auf dem Weg zum Cruise Terminal Steinwerder, von wo aus unser Hurtigruten-Schiff *Finnmarken* ablegen sollte.
Hotel Elbgalerie in Hamburg
Das Hotel liegt in der Billstraße, hat drei Stockwerke und bietet kleine, aber saubere Zimmer. Das Personal war freundlich und hilfsbereit. Preislich absolut in Ordnung: 72 Euro für die Nacht, Frühstück für 13 Euro pro Person. Das Frühstück war überschaubar, aber alles Nötige war vorhanden – und der Kaffee aus dem Automaten immerhin unbegrenzt verfügbar.
Da wir erst gegen 15 Uhr in Hamburg ankamen und noch etwa zwei Kilometer zum Hotel zurücklegen mussten (inklusive Zwischenstopp bei Edeka für Wasser), war es inzwischen nach 16 Uhr. Und wie das so ist: Der Hunger meldete sich zuverlässig.
Unser Fazit: Für eine Zwischenübernachtung oder als Ausgangspunkt Stadtbesichtigungen ist das Hotel durchaus eine Empfehlung.
Hier geht’s zur Hotel-Website: elbgalerie-hotel.de
„Old Timer“-Tankstelle
Ich recherchiere ja gerne schon vorab mögliche Restaurants – und das goldene M war diesmal nicht meine erste Wahl, auch wenn es näher gewesen wäre. Stattdessen hatte ich eine „Old Timer“-Tankstelle entdeckt (Billhorner Röhrendamm). Ich dachte zunächst an alte Autos… weit gefehlt: Die Tankstelle selbst war der Oldtimer! Beim Anblick fühlte man sich sofort in die Petticoat- und Rock’n’Roll-Zeit zurückversetzt.
Hinter dem Tresen eine freundliche Wirtin. Wir bestellten Frikadelle mit Pommes, dazu ein Hamburger Bier und – auf Empfehlung der Wirtin – Tee mit Ingwer und frischer Minze. Der Tee: überraschend lecker! Und auch die hausgemachten Frikadellen sind eine Empfehlung wert. Die Website bleibt dem Stil treu: www.tankstelle-brandshof.de
Danach ging es zurück ins Hotel und direkt ins Bett – der Tag hatte es schließlich schon in sich.
Am nächsten Morgen dann das bereits erwähnte „überschaubare“ Frühstück, anschließend packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Steinwerder. Die Strecke war unkompliziert: Billstraße zurück, in die Billhorner Brückenstraße, dann rechts in die Zweibrückenstraße. Dort warteten wir im Haltestellenhäuschen auf den Bus 256 Richtung Steinwerder.
Als sich noch zwei weitere Paare mit großen Koffern dazugesellten, war klar: Die gehören auch zu uns – Ziel *Finnmarken*.
Der Bus brachte uns fast bis zum Cruise Terminal. Obwohl unsere Check-in-Zeit erst für 16:30 Uhr angesetzt war und es noch nicht einmal 13 Uhr war, wurde unsere Kabinennummer bereits aufgerufen. Diese bekamen wir erst bei der Kofferabgabe, als ein Aufkleber beschriftet und am Gepäck befestigt wurde. (Diese kleine Episode wird später noch wichtig…)
An Bord angekommen stellten wir zunächst fest: Hurtigruten-Schiffe sind deutlich kleiner als die schwimmenden Städte von AIDA oder „Mein Schiff“. Gerade mal 450 Passagiere und 90 Crew Mitglieder – angenehm überschaubar.
An Bord der Finnmarken und Bezug der Kabine
Unsere Kabine war noch nicht bezugsfertig, aber das All-inclusive-Paket durften wir natürlich schon nutzen. Also starteten wir stilvoll mit einem trüben norwegischen Bier für Harald und einer alkoholfreien Variante für mich – beide sehr süffig. Danach testeten wir die gemütlichen Sessel direkt am Fenster.
Um 14:15 Uhr ging es pünktlich zur obligatorischen Sicherheitseinweisung (ohne die darf das Schiff den Hafen nicht verlassen). Anschließend noch zur Musterstation B – im Ernstfall sollte man schließlich wissen, wohin. Neu für uns: Hier musste man zusätzlich einen Überlebensanzug anziehen. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Wissen nie praktisch anwenden müssen.
Danach schauten wir erneut bei unserer Kabine vorbei. Mein Koffer war bereits da – also begann ich schon einmal auszupacken. Der Platz war… sagen wir mal: kreativ zu nutzen. Es war eine kleine Herausforderung, alles unterzubringen und gleichzeitig noch Raum für Haralds Sachen zu lassen.
Die Zeit verging: 15:30, 16:00, 16:30… kein Koffer für Harald. Meine Unruhe wuchs. Harald ging zur Rezeption – Antwort: „Der kommt schon noch.“ Um 17:15 machte er sich erneut auf den Weg (vermutlich hatte ich ihn ausreichend motiviert) – und kam tatsächlich mit seinem Koffer zurück.
Der Grund? Der Aufkleber war abgegangen. Natürlich. Warum sollte man auch etwas verwenden, das zuverlässig hält?
Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte: endlich Essen! Heute Buffet mit freier Platzwahl. Ab morgen dann zum Abendessen Tisch 44.
Essenszeit: 17:30 Uhr – und ich war ehrlich gesagt ziemlich dankbar, dass es nicht später war.
Das Buffet ließ keine Wünsche offen: knackige Salate, Roastbeef, Fisch, Gemüse, frisches Obst und natürlich die wichtigen Dinge des Lebens – zwei Torten, Panna Cotta mit Mangomus und Eis. Kurz gesagt: Man hätte sich problemlos einmal quer durchprobieren können… was wir natürlich gerne getan hätten.
Seetage: Über die stürmische Nordsee nach Norwegen
Erste Nacht auf See – willkommen auf der Schaukel
Nach dem Essen ging es zurück auf Deck 6 in unsere Kabine 631. Haralds Koffer wartete noch darauf, ausgepackt zu werden – was sich als kleine logistische Meisterleistung herausstellte. Die Schränke waren nämlich bereits… sagen wir: ambitioniert gefüllt.
Todmüde fielen wir ins Bett – und stellten schnell fest: Dieses Schiff hat deutlich mehr Bewegung als die großen Kreuzfahrtriesen, die wir bisher kannten.
Während neben mir ein zufriedenes „Murmeltier“ leise vor sich hin rasselte, versuchte ich mit Lesen irgendwie in den Schlaf zu finden. Leider hatte mein Magen andere Pläne: Die Seekrankheit hatte beschlossen, mich persönlich zu begrüßen.
Gegen 2:00 Uhr nachts dann der unvermeidliche Sprint zur Toilette – eine eher unfreiwillige Trennung vom Abendessen. Danach fiel ich allerdings in einen tiefen, wohlverdienten Schlaf.
Seekrankheit auf der Nordsee – nichts für schwache Nerven
Am nächsten Morgen wurde schnell klar: Es ging noch schlimmer.
Die Schiffsbewegungen hatten deutlich zugenommen – und obwohl kein Tropfen Alkohol im Spiel war, fühlte man sich beim Laufen wie nach einer sehr langen Partynacht.
Auf dem Weg zum Frühstück wurde mir so übel, dass ich nur noch eines wollte: raus an die frische Luft. Draußen erwarteten mich etwa 4 Meter hohe Wellen, pfeifender Wind und ein Schiff, das sich ordentlich ins Zeug legte, um wirklich jede Bewegungsrichtung einmal durchzuspielen.
Mein Fazit: Frische Luft hilft… aber auch nur begrenzt.
Rettung in letzter Minute: Tabletten gegen Seekrankheit
Also blieb nur noch eine Option: ab zur Rezeption und Medikamente besorgen.
Harald hatte glücklicherweise nur die „Light-Version“ der Seekrankheit erwischt, nahm aber solidarisch ebenfalls eine Tablette.
Die Wirkung: hervorragend.
Der Nebeneffekt: noch besser.
Wir fielen in einen tiefen, komatösen Schlaf.
Als wir wieder aufwachten, war die Welt – und vor allem mein Magen – deutlich freundlicher geworden.
Restaurant Arran – klein, gemütlich und sehr lecker
Da unsere Energiereserven eher überschaubar waren, entschieden wir uns für das **Restaurant Arran** an Bord.
Klein, gemütlich und mit persönlicher Platzzuweisung – fast wie ein kleines Wohnzimmer auf See. Die Karte ist übersichtlich, aber größtenteils im All-inclusive enthalten.
Harald bestellte Rentier, ich entschied mich für Saibling mit Salat.
Zum Nachtisch: warmer Käse mit Moltebeerenkompott.
Fazit: Alles superlecker – und genau das Richtige nach dieser kleinen „Seefahrtsprüfung“.
Sturm „Dave“ und eine kluge Entscheidung des Kapitäns
Am frühen Nachmittag dann eine wichtige Durchsage: Routenänderung – darauf muss man bei Hurtigsten immer gefasst sein.
Im Vortragssaal (oder alternativ auf Kanal 5 im TV) erfuhren wir, dass Sturm **Dave** mit Orkanböen bis zu 120 km/h auf dem Weg nach Stavanger war – exakt unser ursprüngliches Ziel.
Die mögliche Alternative wäre gewesen: Stavanger anlaufen und dort festliegen, bis der Sturm sich beruhigt – inklusive Landgangsverbot.
Die Entscheidung des Kapitäns: Stavanger wird ausgelassen, stattdessen mehr Tempo, um dem Sturm davonzufahren.
Ganz ehrlich? Mir war zu dem Zeitpunkt alles egal – Hauptsache, das Schiff hörte endlich auf, sich wie ein Rodeo-Pferd zu benehmen.
05.04.2026: Ankunft in Ålesund – Jugendstil nach großer Katastrophe
Um 18:30 Uhr erreichten wir schließlich **Ålesund**, eine wunderschöne Hafenstadt am Eingang zum Geirangerfjord und der atemberaubenden Kulisse der Sunnmore-Alpen.
Der Großteil der Stadt wurde beim verheerenden Brand von 1904 zerstört und anschließend im Jugendstil wieder aufgebaut. Heute gilt Ålesund als eine der schönsten Städte Norwegens – und unser erster Eindruck bestätigte das sofort.
Ålesund erkunden – Jugendstil, Geschichte und 418 Stufen
Das Stadtzentrum von Ålesund liegt nur etwa 250 Meter vom Kreuzfahrtterminal entfernt – also perfekt für einen entspannten Spaziergang nach dem Frühstück.
„Entspannt“ ist relativ, denn es war Ostermontag… und damit alles geschlossen. Auch in Norwegen. Wer hätte das gedacht. Also keine Shoppingtour, dafür umso mehr Zeit zum Schlendern, Staunen und Fotografieren – und das haben wir auch ausgiebig genutzt.
Irgendwann zog es uns Richtung Hausberg Aksla. Im Stadtpark am Fuße des Berges steht ein Obelisk mit dem Konterfei von Kaiser Wilhelm II. Der Grund: Er liebte Ålesund als Urlaubsziel und sorgte nach dem verheerenden Stadtbrand für schnelle Hilfe. Die dankbaren Bewohner setzten ihm daraufhin dieses Denkmal.
Direkt daneben beginnt der Aufstieg: 418 Stufen.
Wir starteten motiviert… und legten nach 229 Stufen erstmal eine „strategische Fotopause“ ein.
Die Aussicht? Atemberaubend. Inseln, Berge, Fjord – alles wie aus dem Bilderbuch.
Doch dann kam das typisch nordische Wetter: Wind wurde stärker, Sonne verabschiedete sich, Regenwolken rückten an. Wir beschlossen einstimmig: Die restlichen Stufen dürfen auch ohne uns existieren – und machten uns schleunigst auf den Rückweg.
Denkmal „Mot Havet“ – bewegende Geschichte am Hafen
Auf dem Weg zurück zum Schiff kamen wir an der Statue „Mot Havet“ („seewärts“) von Kirsten Kokkin vorbei.
Sie erinnert an eine Tragödie aus dem Jahr 1885: 33 Fischer kamen bei einem Sturm ums Leben und hinterließen 29 Witwen und 113 Kinder. Ein Moment, der einen kurz innehalten lässt – zwischen all den schönen Eindrücken.
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Mittagessen an Bord – Rentier geht immer
Zurück an Bord war es bereits Zeit für das Mittagessen. Also ab in unser mittlerweile erklärtes Lieblingsrestaurant: Arran.
Diesmal gab es Burger mit Rentierleber (ja, wirklich!) und einen Salat mit Ziegenkäse – dazu ein dunkles Bier aus Spitzbergen.
Klingt ungewöhnlich? War es auch. Aber vor allem: richtig gut.
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Weiterfahrt Richtung Rørvik – Norwegens Küste zieht vorbei
Um 15:00 Uhr verließen wir die Bucht von Ålesund und nahmen Kurs auf Rørvik.
Die kleine Stadt liegt auf der Insel Inner-Vikna in der Region Trøndelag und ist geprägt von typischer Küstenlandschaft: Holzhäuser, Wasser, Weite – genau das Norwegen-Bild, das man im Kopf hat.
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Rørvik – kleine Stadt mit großer Küstenkultur
Rørvik hat rund 3.700 Einwohner und lebt vor allem von Fischerei und Aquakultur. Außerdem wird hier fleißig an einem Wasserstoff-Hub für grünen Wasserstoff gearbeitet – Zukunft trifft Tradition.
Da wir nur etwa 3¾ Stunden Aufenthalt hatten, ging es direkt nach dem Frühstück los.
Moderne Kirche und kleine Entdeckungen
Unser erstes Ziel: die neue Kirche. „Neu“ deshalb, weil die alte 2012 bei einem Brand zerstört wurde.
Die heutige Kirche thront auf einem Hügel, ist modern gestaltet, viel Glas – und eine beeindruckende Akustik. Definitiv einen Besuch wert.
Auf dem Weg zum Museum kamen wir an einem kleinen Haus vorbei, in dem Einheimische ihre handgemachten Produkte verkauften. Wir konnten nicht widerstehen und kauften einen bemalten Kieselstein mit Eule.
Der Duft frischer Waffeln lag in der Luft… aber wir blieben standhaft. Frühstück war schließlich noch nicht lange her. (Selbstdisziplin kann so grausam sein.)
Kystmuseet Norveg – 10.000 Jahre Küstengeschichte
Das Küstenmuseum Norveg ist ein architektonisch spannender Bau und zeigt 10.000 Jahre Küstenkultur sowie moderne Aquakultur, die uns auf den Fjorden ständig begegnete.
Davor steht die Granitstatue „Sjømannens hustru“ („Seemannsfrau“), die an alle Seeleute und Fischer erinnert, die nie nach Hause zurückkehrten. Ein stiller, eindrucksvoller Ort.
Kleiner Shopping-Stopp – Wolle geht immer
Auf dem Rückweg kamen wir noch am Einkaufszentrum „Alti“ vorbei. Und ja… ich wurde schwach.
Wolle. Schöne Wolle. Vier Knäuel.
Man weiß ja nie. Und Wolle kann man schließlich nie genug haben. Nachträglich: hätte mehr mitnehmen sollen.
Entspannung an Deck und spektakuläre Natur
Zurück an Bord genossen wir die Sonne auf dem Promenadendeck.
Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Lofoten passierten wir ein ganz besonderes Naturphänomen: den Torghatten.
Der markante Granitberg liegt auf der Insel Torget vor Brønnøysund und ist vor allem für sein spektakuläres „Loch“ (160 Metern Länge, 20 Metern Breite und 35 Metern Höhe )bekannt – einem natürlichen Tunnel mitten durch den Berg.
Entstanden ist dieses Naturwunder während der skandinavischen Eiszeit: Eis und Wasser trugen das weichere Gestein ab, während die härteren Felsen der Erosion standhielten. So wurde er ein echtes Highlight entlang der norwegischen Küste.
Die Legende der „Sieben Schwestern“
Ein weiteres Highlight: die „Sieben Schwestern“.
Der Legende nach sind diese Berge versteinerte Trollmädchen, die vor einem aufdringlichen Verehrer flohen. Als die Sonne aufging, erstarrten sie – wie auch ihre Verfolger – zu Stein.
Ob wahr oder nicht: Die Kulisse ist beeindruckend genug, um die Geschichte zu glauben.
Polarkreis Überquerung – frieren für das perfekte Foto
Eigentlich wollten wir nach dem Abendessen nur noch lesen und früh schlafen gehen…
Tja. Um 21:30 Uhr Durchsage: In 15 Minuten überquerten wir den nördlichen Polarkreis.
Also wieder aufstehen, anziehen und hoch aufs Sonnendeck, wo wir bibbernd – frischer Seewind – auf das Highlight warteten. Mit dem Schiffsscheinwerfer wurde der Globus auf einem Felsen beleuchtet. Kameras klickten im Dauerfeuer.
Nordlichter – oder zumindest der Versuch
Aber nun wieder ins noch warme Bett, und einkuscheln. Aber nicht lange. Um 22:30 Uhr die nächste Durchsage:
„Schwache Nordlichter am Bug des Schiffes.“
Also dieses Mal mit Tempo: Polarlichter warten nicht.
Raus. Wieder anziehen. Wieder frieren.
Mit bloßem Auge? Nichts.
Mit dem Handy? Ein zarter grüner Streifen.
Sagen wir so: immerhin – ein Anfang!
Danach ging es endgültig ins Bett, denn am nächsten Morgen wartete ein weiteres Highlight.
08.04.2026 Lofoten – Ankunft nördlich des Polarkreises
Um 8:00 Uhr erreichen wir Svolvær, die „Hauptstadt“ der Lofoten.
Die Lofoten liegen nördlich des Polarkreises und bestehen aus rund 80 Inseln: majestätischen Bergen, tiefen Fjorden, kleinen Fischerdörfern und beste Bedingungen für Fischfang.
Dank des Golfstroms ist das Klima hier deutlich milder, als man bei dieser Lage erwarten würde. Auf demselben Breitengrad liegt Nordkanada, Grönland und Sibirien.
Svolvær auf den Lofoten – das Herz Nordnorwegens
Wir legten in Svolvær um 8.00 Uhr an – der größten Stadt der Lofoten und inoffiziellen Hauptstadt. Mit knapp 5.000 Einwohnern gehört sie zur Gemeinde Vågan und ist das kulturelle, wirtschaftliche und touristische Zentrum der Inselgruppe.
Svolvær verbindet arktischen Charme mit moderner Infrastruktur. Hier starten Walbeobachtungen, Wanderungen und Kunsttouren – denn die Lofoten haben schon viele Künstler inspiriert.
Ein echtes Highlight der Region: der Skrei, der arktische Kabeljau. Zwischen Januar und April werden hier auf den Lofotenbänken weltweit die größten Bestände gefangen. Ende März findet in Svolvær sogar die Weltmeisterschaft im Kabeljaufang statt
Magic Ice Svolvær – eiskalte Kunst mit warmem Poncho
Nach dem Frühstück machten wir uns direkt auf den Weg – erster Stopp: Magic Ice.
Als Hurtigruten-Gäste bekamen wir sogar Rabatt, was wir natürlich gerne mitnahmen. Da wir sehr früh dran waren, blieb uns der obligatorische Drink an der Eisbar leider verwehrt – die öffnete erst am Nachmittag.
Dafür bekamen wir vom freundlichen Mitarbeiter warme Ponchos und Handschuhe – und die brauchten wir auch: Drinnen herrschten knackige -5 Grad.
Die Eisskulpturen beeindruckend – richtige kleine Kunstwerke. (Fotos sprechen hier definitiv mehr als Worte.) Nach etwa einer halben Stunde hatten wir genug „gekühlt“ und traten den Rückweg in die normale Temperatur an.
Lofoten-Flair – rote Häuser und echtes Leben
Danach schlenderten wir durch Svolvær – und hier wurde es richtig schön.
Ich hatte mich besonders auf die Lofoten gefreut, und sie haben mich nicht enttäuscht:
Bunte Holzhäuser, viele in klassischem Rot mit weißen Fenstern, stehen neben modernen Gebäuden. Am Wasser thronen die typischen Fischerhäuschen auf Stelzen.
Wir entdeckten sogar eine alte, etwas windschiefe Hütte mit tief heruntergezogenem Dach – und tatsächlich: bewohnt!
Genau diese Mischung aus Tradition und Leben macht den besonderen Charme aus.
Das „Auge des Nordens“ – Kunst mit Wow-Effekt
Unser nächstes Ziel war die Kirche auf einem Hügel – leider geschlossen – das scheint hier System zu haben.
Dafür entdeckten wir in der Nähe ein echtes Highlight: die Skulptur „Das Auge des Nordens“.
Das rund 8 Meter hohe Kunstwerk des dänischen Künstlers Jeppe Hein besteht aus verspiegelten Flächen und erzeugt ein faszinierendes, fast kaleidoskopartiges Erlebnis.
Natürlich sind wir auch die Treppen auf der Rückseite hochgestiegen – und haben uns gegenseitig aus allen möglichen Perspektiven fotografiert. Ein perfekter Spot für außergewöhnliche Bilder!
Nordlichter im Mini-Format
Auf dem Rückweg Richtung Schiff kamen wir an einem kleinen Platz vorbei, wo in einem Geschäft ein kostenloser 6-minütiger Film über Nordlichter und die Umgebung gezeigt wurde.
Zeit hatten wir noch – also rein. Kurz, informativ und definitiv eine nette Einstimmung auf das, was wir hoffentlich noch „in echt“ sehen werden.
Abschied von Svolvær – Duft von Stockfisch inklusive
Langsam wurde es Zeit, zurück zum Schiff zu gehen – um 13:00 Uhr sollte es weitergehen.
Beim Auslaufen nahmen wir noch einmal den typischen Duft der Lofoten wahr: getrockneter Fisch, der in großen Mengen an Holzgestellen hing.
Sagen wir mal so: Ein Geruch, den man nicht vergisst – und den man auch nicht wirklich braucht.
Auch der Statue der „Frau des Fischers“, die sehnsüchtig aufs Meer blickt, sagten wir leise „Goodbye“.
Panoramablick von Deck 8 – Norwegen zieht vorbei
Heute hatten wir Glück: ein Fensterplatz in der Bar auf Deck 8!
Mit einem Getränk in der Hand konnten wir entspannt die vorbeiziehende Landschaft genießen – zerklüftete Küsten, kleine Inseln, Schärenlandschaften. Norwegen zeigt sich hier wirklich von seiner allerbesten Seite.
Trollfjord – Natur, Mythen und ein bisschen Gänsehaut
Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den Trollfjord – einen etwa 2 Kilometer langen Seitenarm des Raftsunds, der die Regionen Lofoten und Vesterålen trennt.
Schon der Name klingt mystisch – und tatsächlich stammt er aus der Welt der nordischen Trolle.
Über uns kreiste ein Seeadler-Pärchen – leider in respektvollem Abstand. Ich hatte ja kurz gehofft, sie würden näherkommen und sich perfekt fürs Foto in Szene setzen… aber sie hatten wohl andere Pläne.
Der Kapitän steuerte das Schiff vorsichtig in den Fjord hinein – allerdings nur mit dem Bug. Wenden wäre hier nicht möglich.
Auf Deck 5 versammelten sich alle Passagiere zum Fotografieren, während Kakao – mit und ohne Schuss – verteilt wurde. Eine ziemlich gemütliche Art, spektakuläre Natur zu erleben.
Stokmarknes – Wiege der Hurtigruten
Nach weiteren zwei Stunden erreichten wir Stokmarknes, dem zweiten Ort auf den Lofoten.
Das Städtchen selbst ist eher klein und ruhig, hat aber eine große Bedeutung: Hier befindet sich das Hurtigruten Museum.
Das Highlight: die originale MS Finnmarken von 1956, die bis 1993 im Liniendienst unterwegs war. Heute steht sie als beeindruckendes Ausstellungsstück in einer eigenen Halle. Ein Stück norwegische Seefahrtsgeschichte.
Wir dachten, unsere Kabine wäre etwas kuschelig (sind von den Kreuzfahrtschiffen etwas andere Dimensionen gewöhnt) aber gut. Der Blick zurück zeigte allerdings schnell: Vor rund 70 Jahren sah das Ganze noch deutlich… sagen wir mal… kompakter aus. Die Kabinen waren winzig, die Betten schmal und überraschend kurz – man fragt sich unweigerlich, ob die Menschen damals einfach kleiner waren.
Von gemütlichen Doppelbetten konnte ohnehin keine Rede sein. Stattdessen standen die Betten entweder im rechten Winkel zueinander oder waren platzsparend übereinander gestapelt. Ein eigenes Bad? Fehlanzeige! Es gab höchstens ein Waschbecken – Minimalismus pur.
Einzig der Kapitän durfte sich über etwas mehr Komfort freuen: ein separates Schlafzimmer, ein kleines Wohnzimmer und sogar ein eigenes Bad. Luxus, der damals definitiv nicht selbstverständlich war.
Wenn man sich vor Augen führt, wie früher gereist wurde, erscheint die eigene Kabine fast schon luxuriös.
Nach einem letzten kleinen Rundgang ging es zurück an Bord. Denn um 20:00 Uhr heißt es: Leinen los Richtung Tromsø! Die Ankunft ist für morgen früh um 10:00 Uhr geplant – wir sind gespannt, was uns dort erwartet.
09.04.2026: Tromsø – das „Paris des Nordens“ im hohen Norden Norwegens
Tromsø trägt den charmanten Spitznamen „Paris des Nordens“ – und nein, das liegt weder an einem norwegischen Eiffelturm oder Triumphbogen , noch an einem skandinavischen Pendant zur Champs-Élysées.
Der Ursprung dieses Namens ist deutlich… stilvoller. Bereits um 1840 kleideten sich die jungen Damen in Tromsø ebenso elegant wie die Pariserinnen. Besucher waren beeindruckt von der hohen Kultur, der Bildung und den Sprachkenntnissen der Einwohner. Da Paris damals als Zentrum der Welt galt, wurde jede bemerkenswerte Stadt mit der französischen Metropole verglichen.
Ein weiterer Grund für den klangvollen Spitznamen war der wirtschaftliche Aufschwung, der durch die Fischerei im Norden Norwegens entstand – Tromsø entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt in der Region.
Das Stadtzentrum von Tromsø liegt auf der Insel Tromsøya, die bereits vor etwa 10.500 Jahren eisfrei wurde. Rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen, überrascht die Stadt mit einem vergleichsweise milden, subarktischen Klima – dank des wärmenden Einflusses des Golfstroms. Allerdings macht die Sonne Pause vom 27.November – 15. Januar (Polarnacht).
Heute ist Tromsø nicht nur für seine Lage bekannt, sondern auch als Heimat der nördlichsten Universität der Welt. Die Auswahl an Aktivitäten ist beeindruckend: Nordlichter-Touren, Hundeschlittenfahrten, Rentier Safaris, Walbeobachtungen oder Fjord Fahrten – hier wird es garantiert nicht langweilig.
Wir entschieden uns allerdings für die klassische Variante: die Stadt zu Fuß erkunden.
Unser erstes Ziel war die berühmte Eismeerkathedrale – das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt mit ihrer markanten, fast schon futuristischen Architektur.
„Ihr müsst einfach über die Brücke“, erklärte uns zuvor ein junger Guide in seinem Vortrag.
Klang simpel – wäre da nicht die kleine, aber entscheidende Info gewesen, wo diese Brücke eigentlich genau beginnt.
Also schlenderten wir los… oder sagen wir besser: Wir irrten mit Blick auf die Brücke durch Tromsø, bis wir schließlich doch noch den Anfang fanden. Mit einem kleinen Hinweis wäre das Ganze deutlich schneller gegangen.
Die Brücke selbst ist über einen Kilometer lang – und natürlich hatten wir Gegenwind. Frisch, nordisch und ziemlich direkt. Immerhin wurden wir oben mit einem fantastischen Ausblick belohnt: Auf der einen Seite Hafen, Stadt und Berge, auf der anderen unter anderem die K70 Skisprungschanze vom Grønnåsen Hoppsenter, gebaut nach olympischem Standard.
Das Fotografieren gestaltete sich allerdings etwas kompliziert, da hohe, nach innen gebogene Eisenstangen die Brücke sichern – vermutlich nicht ohne Grund.
Endlich an der Eismeerkathedrale angekommen, wartete die nächste Überraschung: eine Beerdigung.
Mit anderen Worten – keine Chance, das Innere offiziell zu besichtigen.
Also machten wir das Beste daraus: einmal rundherum, Fotos von vorne, hinten… und ja, zugegeben – ein schneller Schnappschuss durchs Fenster, als gerade niemand hinsah.
Eismeerkathedrale Tromsø – Architektur, Infos & Besuchertipps
Die Kathedrale wurde vom Architekten Jan Inge Hovig entworfen und 1965 fertiggestellt. Die markante Form der Eismeerkathedrale, die an einen Eisberg erinnern soll, besteht aus jeweils elf aluminiumbeschichteten Betonplatten pro Seite – schlicht, klar und beeindruckend nordisch (mehr bei wikipedia).
1972 wurde an der Ostseite das Glasmosaik „Die Wiederkehr Christi“ von Victor Sparre ergänzt, das besonders bei Lichteinfall seine ganze Wirkung entfaltet.. Mit einer Fläche von 140 Quadratmetern ist es ein echtes Highlight (mehr bei wikipedia).
Auch die Orgel aus dem Jahr 2005 mit ihren 2.940 Pfeifen greift optisch das Eisbergmotiv auf – ein schönes Detail, das zeigt, wie konsequent das Konzept umgesetzt wurde. (mehr bei wikipedia).
Für alle, die mehr Glück haben als wir: Die Kathedrale ist normalerweise täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet (sonntags ab 13:00 Uhr). Der Eintritt liegt aktuell bei etwa 80 NOK. Sie ist barrierefrei zugänglich und bekannt für ihre Mitternachtskonzerte – besonders im Winter ein echtes Highlight mit einzigartiger Akustik.
Tromsø erleben – vom Fjord bis zum Polarmuseum
Leicht enttäuscht, aber immerhin um einige Eindrücke reicher, machten wir uns auf den Rückweg – und natürlich hatten wir wieder Gegenwind. Warum auch nicht.
Zurück im Zentrum bot sich uns ein unerwartetes Bild: Erst eine kleine Gruppe, dann ein einzelner Schwimmer im eiskalten Fjord. Unser erster Gedanke: Feuerwehrübung?
Doch der freundliche Winker passte nicht so ganz ins Bild.
Die Auflösung fanden wir später online: Anbieter wie Arctic Fjord Floating Adventure bieten tatsächlich geführte Schwimmtouren im Fjord – inklusive Überlebensanzug. Sieht definitiv lustig aus… aber wir haben dankend verzichtet.
Weiter ging es zum Polarmuseum in der Søndre Tollbodgate 11B.
Schon vor dem Eingang wurde man von der Büste von Roald Amundsen begrüßt. Das Museum wird von der Universität Tromsø betrieben und entführt Besucher in die spannende Geschichte der Arktisforschung. Hier taucht man ein in die Expeditionen von Roald Amundsen und Fridtjof Nansen, bestaunt originale Werkzeuge, Trapperhütten und hört persönliche Geschichten aus einer Zeit, in der Reisen noch echte Abenteuer waren. (Mehr unter Wikipedia „ Polarmusseum“).
Rentier-Begegnung & Tromsø Domkirche
Beim weiteren Schlendern durch Tromsø passierte etwas, womit wir nun wirklich nicht gerechnet hatten:
Plötzlich stand ein junges Rentier vor uns – zutraulich, entspannt und offenbar genauso neugierig wie wir. Streicheln erlaubt. Willkommen in Nordnorwegen. (Leider war es ausgestopft)
Kurz darauf erreichten wir die Tromsø Domkirke.
Im umliegenden Garten – in dem gerade die ersten Schneeglöckchen blühten – steht die Bronzebüste von Adolf Thomsen (1852–1903), einem bedeutenden Komponisten und Organisten. Seine bekannteste Melodie zu „Barndomsminne frå Nordland“ gilt vielen als inoffizielle Hymne Nordnorwegens.
Die Tromsø Domkirche ist die nördlichste protestantische Kathedrale der Welt. Sie wurde 1861 im neugotischen Stil erbaut mit einer pastellgelben Fassade. Ungewöhnlich für diese Region: Sie besteht größtenteils aus Holz.
Dank ihrer hervorragenden Akustik finden hier regelmäßig Konzerte, Chorauftritte und Orgelabende statt – definitiv ein Tipp für Musikliebhaber.
Weitere Highlights in Tromsø: Kunst & Polaria
Auf dem Rückweg zum Schiff kamen wir noch am Nordnorsk Kunstmuseum vorbei sowie an einem kleinen Kiosk mit dem klangvollen Namen „Gare du Nord“ – ein Hauch Frankreich im hohen Norden.
Ein weiteres Highlight ist Polaria – ein architektonisch auffälliges Gebäude, das an aufeinander geschobene Eisschollen erinnert.
Polaria ist das nördlichste Erlebniszentrum und Aquarium der Welt und bietet:
- Fütterungen von Bartrobben
- ein Panoramakino mit Arktisfilmen
- interaktive Ausstellungen zur Klimaforschung
Es ist ganzjährig geöffnet und nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Tipp: Tickets am besten vorab buchen, da es oft gut besucht ist.
Leider reichte unsere Zeit nicht mehr für einen Besuch – ein guter Grund, irgendwann wiederzukommen.
Auf dem Weg nach Honningsvåg – dem Tor zum Nordkap
Zurück an Bord hieß es erstmal: ab ins Restaurant Arran und eine Kleinigkeit essen. Danach sicherten wir uns unsere Lieblingsplätze – die bequemen Sessel am Fenster in der Bar.
Heute standen die Chancen gut, denn viele Mitreisende waren noch auf Ausflügen unterwegs. Perfekt, um entspannt aufs Meer zu schauen und die Ruhe zu genießen.
Pünktlich um 18:00 Uhr hieß es dann wieder: Leinen los. Nächster Halt: Honningsvåg – Ankunft am nächsten Morgen um 8:00 Uhr.
10.04.2026: Honningsvåg – das Tor zum Nordkap
Honningsvåg ist ein kleines, malerisches Hafenstädtchen auf der Insel Magerøya in Nordnorwegen und gilt als das „Tor zum Nordkap“.
Der Hafen ist ein zentraler Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe und die Hurtigruten. Direkt vor Ort findet man eine Touristeninformation, Restaurants mit lokalen Spezialitäten wie Rentier und frischem Fisch sowie kleine Einkaufsmöglichkeiten.
Auch an Erlebnissen mangelt es nicht:
Mitternachtssonne im Sommer, Nordlichter im Winter, Besuche bei samischen Familien, Königskrabben-Touren oder Wanderungen durch die raue Natur – hier kommt jeder auf seine Kosten.
Nordkap-Ausflug – teuer oder clever gelöst?
Natürlich bot Hurtigruten auch einen klassischen Ausflug zum Nordkap an – inklusive Besuch der Nordkaphalle und Kapelle.
Der Preis: stolze 179 € pro Person.
Unser Gedanke: Das muss doch günstiger gehen…
Also begann meine Recherche – und tatsächlich fand ich ein Angebot für 88 € pro Person, inklusive Fahrt und einer Stunde Aufenthalt am Nordkap (Eintritt extra). Schnäppchen!
Der kleine Haken: Wir wussten nicht genau, wann wir ankommen würden, also beschlossen wir, vor Ort zu buchen.
Am nächsten Morgen standen wir vor der Touristeninfo – noch geschlossen. Mein Mann scrollte währenddessen erneut durch die Angebote, hielt mir plötzlich sein Handy hin und sagte: „Lies mal.“
Ich: „Ja, kenn ich schon.“
Er: „Nein, lies genau.“
Und dann fiel es mir auf:
Start der Touren – ab Mai.
Es war aber erst der erst 10. April.
Meine Reaktion: „Autsch.“
Plan B: Spontan zum Nordkap
Zum Glück hatte ich noch einen Plan B: Taxi.
Inzwischen hatten sich zwei weitere Reisende zu uns gesellt – perfekte Voraussetzungen für eine spontane Fahrgemeinschaft. Also ab zum Taxistand… nur leider ohne Erfolg.
Nächster Versuch: anderes Taxiunternehmen. Telefonnummer hatten wir, aber leider ging niemand ran.
Also wieder zurück zur Touristeninfo.
Und genau in diesem Moment kam ein Kleinbus angefahren.
Wir zögerten keine Sekunde und fragten die Fahrerin:
„Fahren Sie zum Nordkap – und haben Sie noch Plätze frei?“
Antwort: „Ja, 14 Stück.“
Preis: 102 € pro Person (ohne Eintritt in Halle und Kapelle), inklusive 75 Minuten Aufenthalt.
Deal!
Die Fahrt zum Nordkap – ein Glücksgriff
Unsere Fahrerin war Niederländerin und machte diesen Job gemeinsam mit ihrem Mann bereits seit sechs Jahren – von April bis Oktober in Norwegen, den Winter verbringen sie in den Niederlanden.
Sie war bestens gelaunt, erzählte viel über Land und Leute, legte Fotostopps ein und beantwortete geduldig alle Fragen. Die rund 40-minütige Fahrt verging wie im Flug.
Ein kleiner Vorteil für uns:
Da sich viele Busse an den Ankunftszeiten der Kreuzfahrtschiffe orientieren und unsere MS Finnmarken bereits seit 8:00 Uhr im Hafen lag, waren die meisten Besucher schon vor uns am Nordkap – und teilweise schon wieder auf dem Rückweg.
Nordkap-Moment – ganz ohne Menschen
Als wir schließlich am Nordkap ankamen, sonnig, aber windig und kalt, kämpften wir uns durch Schnee und über vereiste Pfützen, in Richtung des berühmten Globus.
Und dann passierte etwas Seltenes:
Der ikonische Globus – ohne Menschen.
Ein perfekter Moment.
Ein perfektes Foto.
Und definitiv einer dieser Augenblicke, die man nicht planen kann – die aber genau deshalb unvergesslich bleiben.
Children of the Earth Monument.
Vorsichtig stapften wir durch Schnee und Eis über das raue Felsplateau in Richtung einer besonderen Skulpturengruppe Dort angekommen erwartete uns das beeindruckende „Children of the Earth“ Monument. Die Bronzeskulptur zeigt eine Mutter und ihren Sohn, der auf sieben halbkreisförmig angeordnete Reliefs deutet.
Diese Reliefs – runde Steine – wurden 1988 von Kindern aus Tansania, Brasilien, Japan, Thailand, Italien, der damaligen Sowjetunion und den USA gestaltet. Sie stehen für Freundschaft, Zusammenarbeit, Hoffnung und Freude über alle Grenzen hinweg.
Figur Mutter und Sohn
Die Figur von Mutter und Sohn hat jedoch noch eine tiefere Bedeutung: Sie erinnert an die Schicksale der Fischerfrauen, die oft tage- oder wochenlang auf die Rückkehr ihrer Männer warten mussten – eine stille, aber kraftvolle Hommage an das Leben im hohen Norden.
Jedes Jahr wird an diesem Denkmal der „Barn av jorden“-Preis verliehen, der besonderes Engagement für kranke Kinder auszeichnet – ein schöner Gedanke an einem ohnehin schon besonderen Ort.
Wir zogen weiter – und plötzlich meldete sich ein sehr menschliches Bedürfnis: etwas Warmes.
Kaffee, Tee, Kakao… völlig egal, Hauptsache heiß.
Also umrundeten wir das Gebäude der Nordkap Halle auf der Suche nach einem Eingang.
Das Ergebnis: mehrere Türen – alle mit Schranke. Zutritt nur mit Eintrittskarte. Selbst das Restaurant war nicht ohne Ticket erreichbar.
Na gut, dachten wir uns, dann eben rein – wir hatten ja noch gut eine halbe Stunde Zeit.
Also ab zur Kasse… und dann der Blick auf den Preis: 36 € pro Person.
Sagen wir es so: Mein Appetit auf ein Heißgetränk kühlte schlagartig wieder ab.
Stattdessen entschieden wir uns für die günstigere Alternative:
Erst zur Toilette (praktischerweise draußen und frei zugänglich), dann noch eine ausgiebige Runde über das Plateau. Und das hatte es in sich – die Landschaft, das Licht, die Weite… und vor allem: unzählige Fotomotive.
Am Ende waren wir uns einig: Auch ohne Kaffee war dieser Moment absolut unbezahlbar.
Als wir unseren Bus entdeckten vor der geplanten Abfahrtszeit schon startklar, entschieden wir uns kurzentschlossen einzusteigen.
Auf der Rückfahrt wurden noch ein paar letzte Fragen beantwortet, doch nach und nach wurde es ruhiger. Kein Wunder – die frische Luft, die Eindrücke und vielleicht auch die leichte Nordkap-Erschöpfung sorgten dafür, dass fast alle in ein kleines Nickerchen fielen.
Zurück in Honningsvåg verabschiedeten wir uns von unserer Fahrerin – natürlich nicht ohne ein kleines Trinkgeld für die tolle Tour.
Ein kurzer Bummel durch den Ort musste noch sein, aber da es inzwischen schon langsam auf 16:00 Uhr zuging, war die Entscheidung schnell getroffen: zurück an Bord.
Also wieder ins „Arran“ – ein kleiner Snack, ein bequemer, warmer Platz… und dann ganz offiziell: faulenzen.
Um 20:00 Uhr heißt es erneut Leinen los.
Nächster Halt: Alta – Ankunft morgen früh um 8:00 Uhr.
11.04.2026: Alta – Stadt der Nordlichter im hohen Norden Norwegens
Alta, mit rund 20.000 Einwohnern die größte Stadt in der Region Finnmark, liegt am Ende des Altafjords und ist umgeben von Tundra, Wäldern und Fjorden. Bekannt ist Alta vor allem als „Stadt der Nordlichter“: Dank klarer, kalter Winterluft zählt sie zu den besten Orten weltweit, um das Naturphänomen zu beobachten. Außerdem beherbergt sie UNESCO-geschützte Felsritzungen, die zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Geschichte in Nordeuropa gehören. Heute ist Alta zudem ein wichtiges Zentrum der samischen Kultur. (Mehr bei wikipedia)
Die spektakuläre Umgebung lädt zu Hundeschlittenfahrten, Angeltouren, Wanderungen und Radtouren im beeindruckenden Alta-Canyon ein – ein Paradies für Outdoor-Fans.
Shuttleservice
Da unsere MS Finnmarken außerhalb des Stadtzentrums anlegte, stand ein kostenloser Shuttleservice bereit. Der Bus brachte uns bequem zu einem Einkaufszentrum – von dort waren es nur wenige Minuten bis zur Nordlichtkathedrale.
Nordlichtkathedrale
Ein echtes Highlight in Alta ist die Nordlichtkathedrale. Inspiriert vom Polarlicht entstand sie 2013 als moderne Kirche mit einem markanten 47 Meter hohen Glockenturm mit einer spiralförmigen Titanverkleidung.
Im Inneren sorgen Eichenholzleisten für warme Akzente auf den Betonwänden, während integrierte LED-Lichter eine ruhige, fast meditative Atmosphäre schaffen. Der Altar mit einer 4,3 m hohen Christusfigur aus gestobener Bronze ist aus Beton gefertigt und mit Marmorstuck veredelt.
Besonders eindrucksvoll ist der 7,5 Meter hohe zentrale Lichtturm, indem eine goldene Jakobsleiter hängt und der als begehbarer Spiraltunnel gestaltet ist. Zwölf goldene Mosaiktafeln, die die Apostel darstellen, befinden sich an seiner Außenseite.
Dank der hervorragenden Akustik finden hier regelmäßig Konzerte statt – ein moderner Kirchenraum.
Im Untergeschoss wartet ein weiteres Highlight: ein Film über das Nordlicht in all seinen Farben und Formen. Ein kleiner Trost für uns – denn auf unserer Reise hatten sich die Polarlichter leider erfolgreich versteckt.
Zurück an Bord hieß es dann: gutes Essen, lesen, ausruhen – und einfach den Tag, mit einem Glas in der Hand, ausklingen lassen.
Um 15.00 Uhr legten wir ab und Morgen sind wir um 13.00 in Narvik.
12.04.2026: Narvik – Tor zur Arktis zwischen Fjorden und Geschichte
Narvik liegt malerisch am Ofotfjord, nördlich des Polarkreises, und begeistert mit einer beeindruckenden Kulisse aus steilen Bergen und tief eingeschnittenen Fjorden.
Durch mehrere Fusionen ist die Gemeinde auf über 3.000 km² angewachsen, während die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern angenehm überschaubar geblieben ist. Viel Natur, wenig Trubel. Geprägt wird die Region bis heute vom Eisenerzabbau: Noch immer wird das Erz per Bahn von den Minen im schwedischen Kiruna zum ganzjährig eisfreien Hafen von Narvik transportiert. Diese Verbindung macht die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt – und zu einem echten Tor zur Arktis.
Narvik ist ein vielseitiges Reiseziel:
Im Winter locken Skigebiete und Nordlichter, im Sommer Wanderungen, Naturerlebnisse und sogar Wracktauchen. Mit einer Universität und verschiedenen Forschungseinrichtungen ist Narvik längst mehr als nur ein Zwischenstopp entlang der norwegischen Küste.
Ankommen und einfach loslaufen
Da unsere MS Finnmarken etwas außerhalb lag, nahmen wir den Shuttlebus bis zur Haltestelle „Kino“.
Und dann: Kein Plan, kein Ziel – nur die Stadt entdecken und schauen, was passiert.
Das Wetter? Wieder einmal strahlender Sonnenschein. Langsam bekamen wir das Gefühl, Norwegen zeigt sich nur für uns von seiner besten Seite. Naja… wenn Engel reisen.
Wir überquerten die Straße, gingen die bergauf führende Kinobakken hinauf und bogen in die Dronningens gate ein. Kurz darauf standen wir vor der Misjonskirken – der Kirche einer christlichen Gemeinde.
Wir schlenderten weiter, bis wir schließlich den Bahnhof erreichten. In einer offenen Halle entdeckten wir außerdem eine alte Dampflokomotive – ein echtes Stück Geschichte. Solche Loks sieht man heute kaum noch. Schade.
Eine weitere Attraktion: Der „Arctic Train“ ist eine touristische Zugfahrt auf der historischen Ofotenbahn. Die ca. 43 km lange Strecke führt von Narvik bis zur schwedischen Grenze (Bjørnfjell), bietet durch Fjorde und Berge spektakuläre Ausblicke und verkehrt ganzjährig.
Das Skigebiet direkt gegenüber dem Bahnhof macht schon jetzt Eindruck und bietet ideale Voraussetzungen für Disziplinen wie Abfahrt, Super-G und Slalom – beste Bedingungen also für die Austragung der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2029. Laut unserem Guide auf dem Schiff wird in Narvik schon fleißig gearbeitet, um einen reibungslosen Ablauf der Weltmeisterschaften zu gewährleisten.
Zwischen Denkmal, Kirche und Geschichte
Da es irgendwann so aussah, als hätten wir das Ende des Ortes erreicht, machten wir uns gemütlich auf den Rückweg.
Am Rathaus angekommen stach uns die Werbung für die Alpine Ski-Weltmeisterschaften 2029 ins Auge – wirklich übersehen kann man sie nicht.
Direkt auf dem Platz steht das National Freedom Monument – ein 18 Meter hoher, verspiegelter Obelisk aus poliertem Stahl. Je nach Blickwinkel spiegelt er Himmel, Stadt und Besucher wider und trägt die Inschrift „Für Frieden und Freiheit“. Gestiftet wurde er 1995 von der norwegischen Regierung.
In einiger Entfernung entdeckten wir die Narvik Kirche. Die kleine Steinkirche wurde 1925 eingeweiht und überstand die Schlacht um Narvik im Jahr 1940. Da Kirchen hier – ähnlich wie bei uns – oft geschlossen sind, blieb es bei einem Blick aus der Ferne.
Seemannskirche – Treffpunkt mit Geschichte
Wenig später kamen wir an der Seemannskirche vorbei. Sie liegt zentral in Hafennähe und wurde vom Architekten Jan Inge Hovig entworfen – dem gleichen, der auch die Eismeerkathedrale in Tromsø gestaltet hat. Eröffnet wurde sie 1950 speziell für schwedische Seeleute, die im Eisenerztransport für den Hafen von Narvik arbeiteten.
Heute ist sie weit mehr als nur eine Kirche: Mit einem kleinen Café, Veranstaltungen wie Konzerten, Lesungen und Ausstellungen sowie einem angrenzenden Hostel ist sie ein lebendiger Treffpunkt für Einheimische und Reisende.
Am Ende unseres Spaziergangs wurde uns klar: Narvik ist keine laute Stadt, sie erzählt ihre Geschichte leise – zwischen Bergen, Hafen und Vergangenheit.
Und genau das macht ihren besonderen Reiz aus.
So Morgen haben wir Seetag. Das heißt lesen, die Landschaft betrachten und einfach faul sein. Unser nächstes Ziel ist Åndalsnes.
13.04. – Polarkreis, Lebertran & ein bisschen Mut
Am Seetag überquerten wir erneut den nördlichen Polarkreis – ein Moment, der auf einer Norwegenreise einfach dazugehört.
Bei der Hinfahrt hatten wir uns der traditionellen Polarkreis Taufe noch elegant entzogen. Dieses Ritual, das auf vielen Schiffen zelebriert wird, sieht meist so aus: Figuren wie „Neptun“ oder „Njord“ erscheinen an Deck, und die Passagiere werden mit einer ordentlichen Portion Eiswasser im Nacken „getauft“. Danach gibt’s Aquavit und eine Urkunde. Diese hatten wir uns immerhin auch ohne Taufe gesichert.
Diesmal wollte ich aber dabei sein.
Die „sanftere“ Variante bestand darin, einen Löffel Lebertran zu schlucken – gefolgt von einem Schnaps. Und das Beste: Den Löffel mit Gravur (Kirkenes–Nordkap–nördlicher Polarkreis -Bergen) durfte man behalten.
Also stellte ich mich brav in die Schlange. Ich hatte noch nie Lebertran bekommen (meine Schwester schon). Die Horrorerzählungen klangen mir im Ohr. Aber ich wollte das Andenken unbedingt haben.
Und dann der große Moment.
Überraschung – gar nicht so schlimm! Der Ruf ist deutlich schlechter als der Geschmack. Der Schnaps zum Nachspülen, der ging erstaunlich gut runter.
Einige stellten sich gleich mehrfach an. Ob das wirklich nur am Löffel lag…? Ich blieb bei einem Exemplar – völlig ausreichend.
Da der Wind inzwischen ordentlich aufgefrischt hatte, zog ich mich wieder in die Bar zu meinem Mann zurück. Dort warteten diese herrlich bequemen Relaxsessel – perfekt, um einfach nur zu sitzen, zu schauen und die vorbeiziehende Landschaft zu genießen.
Und als kleines Extra ließ sich sogar noch einmal der Torghatten blicken – der berühmte Berg mit Loch, auch diesmal im schönsten Sonnenschein.
14.04. – Åndalsnes: Wandern statt Gondel
Nach einem ruhigen Seetag legten wir in Åndalsnes an.
Der kleine Ort liegt idyllisch am Isfjord, einem Seitenarm des Romsdalsfjords, und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die umliegende Bergwelt.
Ein Highlight ist die Raumabanen, auf der der „Golden Train“ verkehrt – ein Museumszug, der durch eine der schönsten Bahnstrecken Norwegens fährt. Entlang der Strecke warten spektakuläre Brücken und Landschaften.
Direkt am Bahnhof entdeckten wir außerdem eine kleine Besonderheit: In einem alten Eisenbahnwaggon wurde eine Kapelle eingerichtet. Der Altar – stilecht – aus alten Schienenschwellen gebaut.
Das Gipfelmuseum,,Norsk Tindesenter, erzählt die Geschichte des Bergsteigens in Norwegen.
Und dann gibt es noch die Romsdalen Gondola, die Besucher in nur fünf Minuten auf den Berg Nesaksla bringt – inklusive spektakulärer Aussicht auf Fjord und Berge.
Zu Fuß ist es doch am schönsten
Aber wir entschieden uns ganz bewusst gegen Gondel und Museum. Wir wollten uns bewegen.
Also ging es zu Fuß los – erst durch den kleinen Ort, dann langsam bergauf. Treppenstufe für Treppenstufe zu einer Plattform.
Dort entdeckten wir eine Art „Freiluftkirche“, hübsche norwegische Häuser, blühende Bäume – und schließlich den eigentlichen Aufstieg.
Massive Eisenplatten führten durch den Wald in Serpentinen nach oben, alternativ konnte man auch über Steinstufen hochsteigen. Auf dem Weg begegneten uns immer wieder Trolle – in Norwegen nicht wegzudenken – und Insektenhotels.
An einer Aussichtsplattform legten wir eine Pause ein. Der Blick über Fjord und Berge war einfach großartig – einer dieser Momente, bei denen man automatisch etwas länger stehen bleibt.
Wir gingen noch ein Stück weiter bis zu einem Unterstand. Doch irgendwann wurde der Weg zunehmend matschig, und wir beschlossen, umzudrehen.
Während wir vorsichtig bergab gingen, kamen uns sportliche Norweger entgegen – locker joggend, bergauf wie bergab. Da wurde uns schnell klar: Die haben definitiv mehr Kondition als wir.
Zurück an Bord – und ein perfekter Abschluss
Ein leichtes Hungergefühl überzeugte uns schließlich, zum Schiff zurückzukehren.
Also ab ins „Arran“, etwas essen, die Beine ausruhen – und einfach den Tag Revue passieren lassen.
Am Abend verabschiedete sich der Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.
Und während wir aufs Meer blickten, wurde uns klar:
Morgen erreichen wir Bergen – die letzte Station unserer Reise.
Ein bisschen Wehmut war definitiv schon dabei.
15.04. – Bergen: Hanse, Hafen und ganz viel Charme
Bergen, Norwegens zweitgrößte Stadt, ist eine echte Perle an der Küste – und das nicht nur wegen ihrer Lage zwischen Fjorden und Bergen. Als UNESCO-Welterbestadt blickt sie auf eine lange Geschichte zurück und war einst ein bedeutender Handelsplatz der Hanse.
Heute verbindet Bergen auf charmante Weise Historie, Kultur und modernes Stadtleben – ein Ort, an dem man sich sofort wohl fühlt.
Bryggen – Postkartenmotiv mit Geschichte
Das wohl bekannteste Wahrzeichen ist Bryggen, der historische Hanse-Kai.
Die bunten, schmalen Holzfassaden entlang des Hafens Vågen wirken wie aus einem Bilderbuch – und genau so fühlt es sich auch an, wenn man davorsteht. Früher, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, handelten hier deutsche Kaufleute mit Stockfisch und Getreide. (Mehr bei wikipedia)
Heute ist Bryggen ein lebendiges Viertel mit engen Gassen, kleinen Museen, Kunsthandwerksläden und einer überraschend vielfältigen Gastronomie. Zwischen den alten Holzhäusern findet man immer wieder neue Ecken, die entdeckt werden wollen – perfekt zum Schlendern.
Kultur, Hafen und nachhaltiger Tourismus
Auch kulturell hat Bergen einiges zu bieten: Das bekannte Theater „Den Nationale Scene“ sowie die „Grieghalle“ prägen das kulturelle Leben der Stadt.
Der Hafen von Bergen gehört zu den geschäftigsten in Europa und ist zugleich Startpunkt der berühmten Hurtigruten. Hier treffen Kreuzfahrtschiffe, Fischerboote und Alltag aufeinander – ein spannender Mix. (Mehr bei wikipedia)
Besonders interessant: Bergen trägt das Gütesiegel „Sustainable Destination“. Das bedeutet nicht, dass hier alles perfekt nachhaltig ist, aber die Stadt arbeitet aktiv daran, Tourismus umweltfreundlicher zu gestalten und gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. (Mehr bei wikipedia)
Ankommen und losziehen
Unser Schiff lag direkt gegenüber von Bryggen – eine bessere Ausgangslage geht kaum.
Also machten wir uns direkt auf den Weg, immer am Hafen entlang, mit dem ersten Ziel vor Augen: dem Fischmarkt, einem der bekanntesten Märkte unter freiem Himmel.
Fischmarkt, Floibanen & Bryggen – Bergen zu Fuß entdecken
Schon seit dem 13. Jahrhundert wird hier gehandelt, und über Jahrhunderte hinweg war er einer der wichtigsten Umschlagplätze für Fisch und Meeresprodukte. Heute findet man dort alles, was das maritime Herz begehrt: frischen Fisch, Delikatessen aus dem Meer und auch regionale Produkte wie Obst, Beeren und Gemüse.
Direkt angrenzend befindet sich die Mathallen Bergen, die 2012 eröffnete Fischhalle, die ganzjährig geöffnet ist – im Gegensatz zum Freiluftmarkt, der erst ab Mai richtig zum Leben erwacht. (Mehr bei wikipedia)
Da wir noch vor der Saison unterwegs waren, fehlten die typischen Marktstände. Also beschränkten wir uns auf einen kurzen Rundgang durch die Halle. Dieser fiel allerdings eher kurz aus – wir kamen schließlich gerade vom Frühstück. Fisch zum Mitnehmen? In dem Moment eher keine gute Idee.
Ein Abstecher zur Floibanen
Weiter ging es zu unserem nächsten Ziel: der Fløibanen.
Diesmal entschieden wir uns allerdings gegen eine Fahrt nach oben – das hatten wir vor einigen Jahren schon einmal gemacht. Damals ging es mit der Bahn hinauf und zu Fuß wieder hinunter – eine wirklich wunderschöne Strecke mit fantastischem Ausblick über die Stadt.
Wer Bergen besucht und etwas Zeit hat: absolut empfehlenswert!
Bryggen – zwischen Geschichte und Souvenirs
Unser nächstes Ziel: Bryggen.
Um dem größten Trubel zu entgehen, wählten wir einen kleinen Umweg über die Øvregaten und bogen dann in die Finnegårdsgaten ein. Vorbei am Hanseatiske Hotel erreichten wir schließlich den Hafen – und standen vor den berühmten bunten Häusern. Wie aus dem Bilderbuch.
Wir schlenderten durch die engen Gassen, stöberten in den kleinen Läden, warfen Blicke auf das Sortiment. Das Fazit: schön anzusehen, aber preislich eher… nordisch ambitioniert.
Museen, Kirchen und ein Hauch Mittelalter
Am Hafen entlang kamen wir am Bryggens Museum vorbei, einem modernen Gebäude, das spannende Ausgrabungsstücke aus der Geschichte der Stadt zeigt.
Direkt dahinter liegt die Mariakirken, die älteste Kirche Bergens. Die romanische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und war einst eine wichtige Kirche der deutschen Kaufleute. (Mehr bei wikipedia)
Ein Stück weiter erreichten wir den Rosenkrantz Tower, einem Turm aus dem 13. Jahrhundert. Einst diente er als Residenz von König Erik Magnusson und ist heute Teil der historischen Festung Bergenhus. (Mehr bei wikipedia)
Zurücklehnen und genießen
Irgendwann merkten wir: Wir hatten fast das Ende des Hafens erreicht. Also kehrten wir um und schlenderten gemütlich zurück Richtung Floibanen.
Von dort aus ging es weiter durch kleine, verwinkelte Gassen bis zum Lille Lungegårdsvannet.
Eine Bank in der Sonne – genau der richtige Ort für eine Pause.
Wir setzten uns, ließen die Eindrücke wirken und genossen Bergen mit allen Sinnen.
Zurück an Bord – und ein leises Abschiedsgefühl
Schon ein wenig müde und hungrig machten wir uns auf den Rückweg
Im kleinen Park gegenüber stand ein hübscher Musikpavillon, umgeben von einem Meer aus Blumen. Im Sommer muss es hier wirklich traumhaft aussehen – wir konnten es uns zumindest gut vorstellen.
Vorbei am „Den Nationale Scene„ schlenderten wir weiter Richtung Hafen.
Unterwegs begegneten wir dann noch… nun ja… einem Außerirdischen.
Er winkte mich freundlich zu sich heran – ich winkte ebenso freundlich zurück, blieb aber auf sicherer Distanz. Ein Foto musste natürlich trotzdem sein.
Zurück an Bord meldete sich endgültig der Hunger. Also ging es erstmal ins Arran – Prioritäten müssen schließlich gesetzt werden.
Gut gesättigt zog es uns anschließend aufs Sonnendeck. Dort fanden wir ein windgeschütztes Plätzchen und gönnten uns ein letztes Sonnenbad.
Während wir so dasaßen, wurde uns langsam bewusst: Diese Reise neigt sich dem Ende zu. Um 16.00 Uhr heißt es ein letztes Mal Leinen los, dann folgt noch ein Seetag.
16.04,2026: Abschied auf See – und zurück nach Hause
Durch die letzten Fjorde ging es hinaus auf die offene Nordsee – und das merkten wir sofort. Das Schiff begann deutlich zu schaukeln, als wir uns dem Skagerrak näherten.
Und ja… da meldete sie sich wieder: meine alte Bekannte, die Seekrankheit.
Zum Glück war ich vorbereitet. Dank der Tabletten konnte ich das Abschiedsmenü trotzdem genießen – und das hatte es wirklich in sich. Die Küche gab noch einmal alles, als wollte sie uns hiermit den Abschied ein wenig versüßen.
Lachstartar – Norwegische Erbsensuppe – geschmorte Rinderbäckchen – atlantischer Kabeljau – Biskuit mit Eis, Baiser und Moltebeeren. Und das ist definitiv gelungen.
Rundum zufrieden gingen wir hinauf in die Bar. Für 21:00 Uhr war der Abschiedssekt mit dem Kapitän angekündigt, also suchten wir uns schon einmal ein schönes Plätzchen mit guter Aussicht.
Kurz nach neun erschien der Kapitän gemeinsam mit einigen Offizieren. Auf Englisch ließ er die Reise noch einmal Revue passieren, bedankte sich bei uns Gästen und fand ein paar passende Worte zum Abschied.
Dann folgte ein besonderer Moment: Nach und nach zog die gesamte Crew an uns vorbei, jeder bekam ein Glas Sekt gereicht, und wir stießen gemeinsam an.
„Time to say goodbye“ – dieser Satz hing plötzlich spürbar in der Luft.
Ein wenig Wehmut machte sich breit.
Denn eines war klar:
Es war wirklich eine ganz besondere Reise gewesen.
Letzte Stunden an Bord
Am nächsten Morgen sollten wir um 7:00 Uhr in Hamburg Altona ankommen, und bereits um 8:00 Uhr hieß es: Kabine räumen.
Also packte ich vorsorglich schon am Abend den ersten Koffer und den zweiten fast komplett – bis auf die Dinge, die man eben noch braucht.
16.04,2026: Abschied auf See – und zurück nach Hause
Ein letztes Frühstück an Bord, ein paar Handgriffe, ein letzter Blick…
und kurz vor 8:00 Uhr verließen wir unsere Kabine zum allerletzten Mal.
Ein bisschen Wehmut war definitiv dabei.
Es war einfach eine unglaublich schöne Reise – und wie so oft verging die Zeit viel zu schnell.
Zurück in den Alltag – fast zumindest
Vom Schiff ging es direkt weiter mit dem Bus Richtung Stadt. Die Linie 111 brachte uns zur Reeperbahn, von dort aus stiegen wir um in die S-Bahn zum Bahnhof.
Dank der Bahn-Bonuspunkte durften wir wieder in die Lounge. Dort verbrachten wir noch entspannt etwa zwei Stunden, bevor unser Intercity Richtung Nürnberg abfuhr.
Und ja – kaum zu glauben:
Es gab keine Verspätungen, keine Zwischenfälle, keine Überraschungen.
Wir kamen pünktlich zu Hause in Amberg an.
Fazit – eine Reise, die bleibt
Was bleibt, sind unzählige Eindrücke: atemberaubende Landschaften, besondere Orte, kleine Abenteuer – und viele schöne Momente.
Norwegen hat uns begeistert.
Und diese Reise? Die bleibt in unserer Erinnerung.
Viele (aber nicht alle) unserer Fotos machen wir mit der EOS R10 von Canon. Wir verwenden Sie im Moment mit dem mitgelieferten RF-S 18-45mm F4.5-6.3 is STM Zoomobjektiv.
Und wir lernen die Möglichkeiten dieser tollen Kamera gerade erst kennen.
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