Die Wolfgang-Ambros-Festspiele von München
Er kam, sang und siegte
Wenn Wolfgang Ambros auf seiner aktuellen Tournee in München Station macht und in der Tollwood-Musik-Arena spielt, stellt sich für uns eigentlich nur eine Frage: Mit wie vielen Leuten fahren wir diesmal hin?
Am Ende waren wir zu fünft – und erlebten einen Konzertabend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Datum: 29. Juni 2026
Location: Tollwood Musik-Arena, München
Künstler: Wolfgang Ambros
Wenn Wolfgang Ambros auf seiner aktuellen Tournee in München Station macht und in der Tollwood-Musik-Arena spielt, stellt sich für uns eigentlich nur eine Frage: Mit wie vielen Leuten fahren wir diesmal hin?
Am Ende waren wir zu fünft – und erlebten einen Konzertabend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Unsere Anreise verlief erfreulich unspektakulär. In Ahr bei Landshut sammelten wir unseren jüngeren Sohn ein und trafen auf dem Tollwood-Gelände noch ein befreundetes Ehepaar. Zu fünft bahnen wir uns den Weg in die Musik-Arena.
Parkplatz-Tipps fürs Tollwood
Wer mit dem Auto anreist und in der Parkharfe parkt, sollte versuchen, einen Stellplatz in einem der Blöcke mit niedriger Nummer zu ergattern. Die liegen deutlich näher am Tollwood-Gelände. Bei Sonnenschein ist der kürzere Weg angenehm – wenn es nach dem Konzert regnet, wird aus „angenehm“ plötzlich „Gold wert“.
Noch ein kleiner Pro-Tipp: Wer ein Tagesticket zieht, kann es direkt am Automaten bezahlen bzw. entwerten. Das spart später die Warteschlange, wenn nach Konzertende gefühlt ganz München gleichzeitig nach Hause möchte.
Tollwood: Immer etwas Besonderes
Tollwood ist ohnehin jedes Mal ein Erlebnis. Und irgendwie gehört auch die Hitze inzwischen fast schon zum Programm. Bei unseren bisherigen Besuchen meinte es der Sommer jedenfalls stets ausgesprochen gut mit uns.
So auch am 29. Juni. Vor der Musik-Arena herrschten fast tropische Temperaturen, drinnen war es dank großen Lüftern etwas weniger heiß. Das riesige Zirkuszelt war dem Anschein nach bis auf den letzten Platz gefüllt – zumindest konnten wir nach Konzertbeginn keinen einzigen freien Sitzplatz mehr entdecken.
Ein Empfang wie für einen alten Freund
Wolfgang Ambros muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Wer hier sitzt, weiß ohnehin, warum.
Mit ein paar Minuten Verspätung geht es los. Die komplette Band steht auf der Bühne – wie sollte es in der Tollwood-Musik-Arena auch anders sein? Das ist schließlich kein Ort für leise Töne.
Ganz unaufgeregt betreten zunächst Band und Chor die Bühne, greifen zu ihren Instrumenten und legen mit dem Intro von „Verwahrlost aber frei“ los.
Als Wolfgang Ambros schließlich erscheint, wird er bereits frenetisch gefeiert – obwohl er bis dahin noch keinen einzigen Ton gesungen hat. Bei anderer Gelegenheit sagte er dazu:
„Mir ham‘ ja no gor nix g’macht, heast.“
Ein Künstler, der sich nicht verstellt
Wolfgang Ambros befindet sich mittlerweile im 75. Lebensjahr und blickt auf 55 Jahre Bühnenkarriere zurück. Gerade deshalb imponiert uns, dass er weder sein Alter noch seine gesundheitlichen Einschränkungen überspielt oder kleinredet. Er kommt auf die Bühne, wie er ist – und genau das macht ihn glaubwürdig.
Und dann beginnt er zu singen.
Plötzlich springt der Funke über. Es fühlt sich an, als würde die Energie von der Bühne direkt ins Publikum fließen. Schwer zu beschreiben – aber jeder, der einmal ein wirklich gutes Konzert erlebt hat, weiß vermutlich genau, was gemeint ist.
Der Opener „Verwahrlost aber frei“ hat fast etwas Hymnisches. Ambros zelebriert den Song, und schon beim ersten Refrain singt die Musik-Arena kräftig mit.
Danach kündigt er „oide und ganz oide Liada“ an.
Und genau das liefert er auch – mit einer bemerkenswerten Ausnahme.
Die Musik-Arena wird zum Chor
Weiter geht es mit „Selbstbewusst“ und „Oid wurdn“. Letzteres schrieb Wolfgang Ambros Anfang der 2000er Jahre – damals war er selbst gerade Anfang fünfzig. Entsprechend selbstironisch kündigt er das Lied an. Heute, gut zwanzig Jahre später, bekommen manche Textzeilen noch einmal eine ganz andere Wirkung.
Spätestens jetzt hat Ambros die rund 4.000 Besucherinnen und Besucher der Musik-Arena komplett auf seiner Seite. Seine Stimme wirkt kraftvoll, und man spürt, wie viel Freude ihm das Musizieren noch immer macht.
Schon nach wenigen Liedern klingt es weniger nach „Wolfgang Ambros und seine Band“ als nach „Wolfgang Ambros und die Tollwood-Chöre“. Der offizielle Chor, bestehend aus Gitti Guggenbichler und Ursula Gerstbach hat 4000-fache Verstärkung bekommen. Praktisch jeder singt mit, klatscht im Takt – und wohin man auch blickt, sieht man Menschen, die diesen Abend sichtlich genießen.
Zu meiner besonderen Freude stehen auch „Du schwoaza Afghane“ und „Espresso“ auf der Setlist. Zwei Lieder, die ich schon immer besonders gerne gehört habe.
Eine Premiere vor der Pause
Vor der Pause folgt dann die angekündigte Ausnahme.
Wolfgang Ambros präsentiert ein neues Lied – und dieses erlebt an diesem Abend seine Live-Premiere mit kompletter Band. Es handelt sich um die österreichische Version von „Always Look on the Bright Side of Life“ aus dem Monty-Python-Klassiker Das Leben des Brian.
Den Text hat Ambros selbst ins Österreichische übertragen. Die Idee dazu stammt von seinen langjährigen Mitmusikern Roland Vogl und Didi Baumgartner, die auch für die Produktion verantwortlich zeichnen und auch ihr eigenes Bandprojekt „Die Wödmasta“ haben. So erzählt es Wolfgang jedenfalls mit seiner gewohnt trockenen Art in der Anmoderation.
Regen zur falschen Zeit – oder vielleicht doch zur richtigen?
In die ersten Töne des Liedes und die ersten Textzeilen mischt sich plötzlich ein ungewohntes Geräusch: ein kaum zu überhörendes Prasseln.
Es regnet. Und zwar richtig heftig.*
Ausgerechnet jetzt.
Wolfgang Ambros unterbricht den ersten Anlauf und kommentiert trocken:
„Des kannst‘ da ned ausdenken – es regnet. Ausgerechnet bei diesem Liad.“
Auch das ist Wolfgang Ambros. Wenn etwas schiefgeht, überspielt er es nicht. Er steht einfach dazu. Genau diese Ehrlichkeit macht ihn für mich so unglaublich sympathisch.
Beim zweiten Versuch klappt alles.
„Oiwai schau auf die Sunnseitn vom Lebn“ heißt seine österreichische Version von „Always Look on the Bright Side of Life“. Und was soll man sagen? Der Text funktioniert auf Österreichisch genauso gut wie das englische Original.
Das ganze Zelt singt mit. Es wird geklatscht, gepfiffen und gelacht. Spätestens jetzt dürfte klar sein: Die neue Nummer kommt an.
(Wer sie noch nicht kennt: Es gibt sie inzwischen auch als Musikvideo auf YouTube.)
Eine nasse Pause
Dann geht es in die Pause – und die fällt ungewöhnlich lang aus.
Vermutlich hat der kräftige Regen, der weiterhin aufs Zeltdach trommelt, seinen Weg durch irgendwelche kleinen Ritzen gefunden. Nicht viel. Hier und da tropft es auf die Bühne. Aber offenbar genau dort, wo es niemand brauchen kann.
Und ganz ehrlich: Günter Dzikowski, der wie immer virtuos die Tasteninstrumente bedient möchte vermutlich auch keinen einzelnen Regentropfen in seinem Piano haben – ebensowenig, wie Harry Stampfer (der übrigens mit Wir4 ebenfalls ein eigenes Bandprojekt hat) Wasser in seinem Schlagzeug will.
Die Crew scheint das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Nach rund einer halben Stunde geht es weiter – und die Musik-Arena ist vom ersten Ton an wieder im Mitsing-Modus.
Ein Finale, wie man es sich wünscht
Es folgen Klassiker wie „Langsam wochs ma z’samm“, „Gezeichnet fürs Leben“ und „A Mensch möcht i bleibn“.
Inzwischen hält es immer weniger Besucher auf den Sitzen. Aus einem Konzert ist längst ein gemeinsames Erlebnis geworden.
Den krönenden Abschluss bilden gleich zwei Zugabenblöcke. Nach „Es lebe der Zentralfriedhof“ darf natürlich auch „Schifoan“ nicht fehlen. Erst danach verabschieden sich Wolfgang Ambros und die No. 1 vom Wienerwald endgültig von ihrem Münchner Publikum.
Unser Fazit
Wolfgang Ambros kann es einfach.
Mit 74 Jahren steht da kein Künstler auf der Bühne, der seiner Vergangenheit hinterherläuft. Da steht einer, der immer noch mit Leidenschaft musiziert, dessen Band hervorragend eingespielt ist und dessen Lieder auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Wirkung und Gültigkeit verloren haben.
Wir hatten einen gewaltigen Abend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Und wir kommen wieder.
Denn eines ist nach diesem Abend sicher: Die nächsten Wolfgang-Ambros-Festspiele kommen bestimmt. Und wir sind wieder mit dabei.
* Wir haben später erfahren, dass über München ein heftiges Unwetter getobt hat, Straßen waren überflutet, Unterführungen vollgelaufen. Das Tollwood-Gelände ist zwar ordentlich eingeweicht worden – aber mehr ist nicht passiert.
Wolfgang Ambros: Kein Fan-Shop wie jeder andere.
Dass Künstler Ihre Veröffentlichungen und Fan-Artikel auch übers Netz verkaufen ist inzwischen Usus. Bei Wolfgang Ambros läuft das allerdings ein bisschen anders.
Egal ob man am Verkaufsstand vor Ort oder „im Internet“ bestellt: Man kauft immer über seine offizielle „Fachfrau fürs Merchandising“ Eva Krausz. Auf seiner Website heißt es dazu:
Warum bestellt man bei Wolfgang noch per E-Mail?
Ganz einfach: Weil sich bei Wolfgang noch echte Menschen um die Bestellungen kümmern.
Kein Warenkorb, Kundenkonto und automatisierte Standard-Mails. Eure Anfrage landet direkt bei Wolfgangs offizieller Merchandiserin Eva. So können auch Sonderwünsche, Fragen oder zusätzliche Artikel unkompliziert berücksichtigt werden.
Wolfgang Ambros live
Im Konzert haben wir ausschließlich mit den Handys fotografiert. Große Fotoapparate sind da nicht erlaubt. Viele (aber nicht alle) unserer Fotos machen wir sonst allerdings mit der EOS R10 von Canon. Wir verwenden Sie im Moment mit dem mitgelieferten RF-S 18-45mm F4.5-6.3 is STM Zoomobjektiv.
Und wir lernen die Möglichkeiten dieser tollen Kamera gerade erst kennen. Gekauft haben wir sie hier.
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Petra Graf