Unterwegs auf dem Oberpfälzer Jakobsweg – Übung für Spanien
Warum eigentlich Jakobsweg?
Den Oberpfälzer Jakobsweg haben wir bereits vor vielen Jahren für uns entdeckt. Dort merkten wir zum ersten Mal, wie schön es ist, sich zu Fuß fortzubewegen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen und Schritt für Schritt unterwegs zu sein.
Wie bei vielen anderen war übrigens auch Hape Kerkeling nicht ganz unschuldig an dieser Idee. Sein Buch über den Jakobsweg hat sicher bei vielen die Lust geweckt, selbst einmal loszugehen.
Im Herbst 2025 möchten wir nun einen Abschnitt des Camino del Norte, des nördlichen Jakobswegs in Spanien, in Angriff nehmen. Und da erschien es uns nur logisch, vorher wieder etwas zu üben.
Der Oberpfälzer Jakobsweg bot sich dafür natürlich an.
Reisezeitraum: 02.05.2025
Text: Petra
Fotos: Petra und Harald
Aufbruch nach Schwandorf
Also fuhren wir morgens um 8:33 Uhr mit der Bahn nach Schwandorf und machten uns nach der Ankunft direkt vom Bahnhof auf den Weg zur Sankt-Jakob-Kirche am Marktplatz.
Pünktlich um 8:47 Uhr standen wir dort und der Wandertag konnte beginnen.
Natürlich war ich vorbereitet.
Vorsichtshalber hatte ich Straßennamen, Ortsbezeichnungen und besondere Wegpunkte – Marterl, Jakobsfiguren und andere Orientierungshilfen – fein säuberlich auf einen Zettel geschrieben und griffbereit in der Hosentasche verstaut.
Der Plan war allerdings, uns hauptsächlich an der Jakobsmuschel zu orientieren.
Der Plan war gut.
Die Realität hatte andere Ideen.
Denn wir stellten sehr schnell fest: Kein Jakobsweg ohne kleine Herausforderungen.
Und Schwandorf servierte uns davon gleich zwei Stück zum Einstieg.
Der Weg wollte offenbar prüfen, ob wir es mit Spanien wirklich ernst meinten. 😊🥾
Wer sich vorab über speziell den oberpfälzer Jakobsweg informieren möchte, dem sei die kostenlose Broschüre den es bei der Tourist-Info Amberg-Sulzbacher Land gibt. Man kann die Broschüre hier als PDF herunterladen.
Der Kampf mit den Muscheln – oder: Aller Anfang ist verwirrend
Kaum gestartet, wartete auch schon die erste Herausforderung auf uns.
Vor einer Brücke, die gerade repariert wurde, standen zwei Jakobsmuscheln. Das Problem: Eine zeigte nach rechts, die andere nach links.
Also genau die Art von Wegweisung, die man sich als Wanderer wünscht.
Ich wollte spontan nach rechts gehen. Mein Mann signalisierte jedoch sehr überzeugt nach links.
Als folgsame Ehefrau trottete ich hinterher.
Ein Fehler.
Schon nach kurzer Zeit sagte ich noch: „Wir müssen doch auf die andere Seite der Naab.“
Nur leider kamen wir nicht auf die andere Seite.
Stattdessen umrundeten wir gemütlich den Stadtpark.
Nun muss man fairerweise sagen: Der Stadtpark von Schwandorf ist wirklich schön.
Nur stand mir in diesem Moment der Sinn eher nach Jakobsweg als nach spontaner Parkbesichtigung.
Nach etwa 25 Minuten standen wir wieder dort, wo wir begonnen hatten – an der Brücke.
Diesmal also: rechts.
Nun waren wir endlich auf der richtigen Seite der Naab. Allerdings wartete schon die nächste Tücke auf uns. Wegen einer weiteren Baustelle fehlte erneut jede Ausschilderung und weit und breit war keine Jakobsmuschel zu entdecken.
Vor uns lagen zwei Straßen.
Wir entschieden uns für die linke.
Sie führte zu einem Wohnmobilstellplatz.
Und dahinter glitzerte plötzlich die Naab in der Sonne.
Treffer.
Nach gerade einmal 40 Minuten hatten wir also den Jakobsweg gefunden und beeindruckende 400 Meter zurückgelegt.
Wenn das so weiterging, würden wir wohl eine Nacht-Pilgerwanderung daraus machen.
Doch dann ging es endlich auf dem Promenadenweg zügig voran – und die schöne Landschaft entschädigte uns schnell für den etwas holprigen Einstieg.
Der Weg schien uns sagen zu wollen:
„Pilgern bedeutet Geduld. Und manchmal auch Ehrenrunden.“ 😊🥾
Buch-Tipp
Der bekannteste spanische Jakobsweg, der Camino Francés, beginnt im französischen Ort St. Jean Pied de Port an der Grenze zu Spanien und endet in der Pilgerstadt Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.
Aber es gibt Jakobswege in ganz Europa. Wer sich für den Abschnitt, auf dem wir unterwegs waren, interessiert, dem sei das Buch von Michael Schnelle ans Herz gelegt. Kaufen kann man das Buch hier.
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Von der Naab in die Pampas
Der Weg am Fluss entlang war wunderschön.
Die Naab glitzerte in der Sonne, Vögel zwitscherten und außer uns war kaum jemand unterwegs. Genau so hatten wir uns unsere kleine Übungswanderung vorgestellt.
Wir kamen zügig voran – bis nach Ettmannsdorf.
Dort folgten wir brav einer Jakobsmuschel, die uns links unter einer Brücke hindurch und weiter entlang der Naab schickte.
Leider war genau das falsch.
Was wir allerdings erst merkten, als es längst zu spät war.
Eigentlich hätten wir geradeaus in die Wöhranger Straße und anschließend Richtung Ziegelhütte gehen müssen.
Stattdessen liefen wir weiter an der Naab entlang.
Der Weg wurde schmaler.
Dann wurde er zu einem Trampelpfad.
Und schließlich löste auch der sich in Nichts auf.
Da standen wir nun.
Mitten in der Pampas.
Umgeben von Brennnesseln.
Pilgerromantik auf oberpfälzisch.
Wenn Google der Rettungsanker wird
Mein Mann erklomm kurzerhand die Böschung, entdeckte oben einen Feldweg und befragte ehrfürchtig die moderne Orakelstätte: Google Maps.
Die große Suchmaschine behauptete, der Feldweg sei richtig.
Also vertrauten wir ihr.
Was sollte schon schiefgehen?
Wir folgten dem Weg, überquerten den Haselbach und erreichten schließlich eine Straße mit dem verheißungsvollen Namen:
„Am Jakobsweg“
Endlich!
Dieser Name stand auf meinem Zettel.
Wir waren also wieder auf Kurs.
Im Ort Naabsiegenhofen entdeckten wir – kaum zu glauben – sogar wieder eine Jakobsmuschel.
Ich hätte sie am liebsten umarmt.
Hier legten wir auch unsere erste kleine Trinkpause ein.
Normalerweise hätten wir diesen Abschnitt in etwa einer Stunde schaffen sollen.
Wir brauchten zwei Stunden.
Und die Sonne meinte es inzwischen sehr gut mit uns.
Durch Rapsfelder nach Neukirchen
Am Ende der Straße Am Jakobsweg bogen wir rechts in den Aussiedlerweg ein.
Und siehe da: wieder eine Muschel.
Langsam kam unser Vertrauen zurück.
Der Schotterweg führte durch leuchtend gelbe Rapsfelder und weiter in einen Wald. Auf einem einsamen Bankerl gönnten wir uns noch einmal eine kurze Pause, bevor wir weiter Richtung Neukirchen aufbrachen.
Nach dem Überqueren der SAD 3 erreichten wir schließlich den Ort.
Fast instinktiv erklommen wir den Hügel zur Kirche.
Dort stand vor dem Gotteshaus eine bronzene Jakobsfigur – ein schöner Anblick und irgendwie auch eine kleine Belohnung nach den Brennnessel-Abenteuern.
Eine Jakobsmuschel zeigte uns anschließend den Weg weiter bergauf.
Am Gipfel angekommen standen wir allerdings erneut vor einer Entscheidung.
Drei Straßen lagen vor uns.
Eine führte weiter bergan …
Und nach unseren bisherigen Erfahrungen wussten wir inzwischen:
Jede Muschel konnte ein kleines Abenteuer bedeuten.
Die Sache mit den drei Straßen
Oben angekommen standen wir erneut vor einer wichtigen Entscheidung.
Drei Wege lagen vor uns:
Einer führte weiter bergauf, einer bergab und einer geradeaus.
Und natürlich war weit und breit keine Jakobsmuschel zu sehen.
Also wieder: Handy raus und Navi befragen.
Da auf meinem Zettel Kapelle St. Anna und Scheckenberg notiert waren, schickte uns das Navi – wenig überraschend – weiter bergauf.
Welche Freude.
Wir ließen die Kapelle rechts liegen, gingen noch ein Stück weiter und bogen anschließend links Richtung Scheckenberg ab.
Die Landschaft entschädigte uns sofort: blühende Rapsfelder, Vogelgezwitscher und diese angenehme Ruhe, die man nur zu Fuß wirklich wahrnimmt.
Endlich wieder Muscheln!
Zügig gingen wir weiter und näherten uns Siegenthan.
Und plötzlich geschah etwas Erstaunliches:
Der Weg war hervorragend ausgeschildert.
An manchen Bäumen hingen sogar drei Jakobsmuscheln gleichzeitig.
Nach den bisherigen Erfahrungen wirkte das fast schon übertrieben. Offenbar wollte uns hier jemand sagen:
„Keine Sorge, diesmal seid ihr wirklich richtig.“
Siegenthan ließen wir rechts liegen und bogen links auf einen Feldweg ab, der in einen Wald führte.
Dort machten wir Rast.
Essen, trinken, kurz durchatmen.
Mittlerweile brannte die Sonne allerdings schon kräftig vom Himmel.
Und natürlich hatten wir ausgerechnet die Kopfbedeckungen vergessen.
Das sollte man wirklich nicht machen.
Also kleiner Pilgertipp:
Navi und Kopfbedeckung gehören ins Gepäck. Immer.
Unterwegs passierten wir noch zwei Marterl, die sich als erstaunlich gute Wegweiser erwiesen.
Die letzten Kilometer nach Ensdorf
Das letzte Stück führte über Feldwege – bergauf, bergab, wieder bergauf.
Wenn man ungeübt ist, merkt man spätestens jetzt die Beine.
Langsam tauchten die ersten Häuser von Ensdorf auf.
Das Ziel war nah.
Dachten wir.
Denn jetzt mussten wir nur noch zur Bushaltestelle.
Leider lag die noch ein gutes Stück bergab.
Eine junge Frau mit Kind sah mich an – vermutlich leicht verschwitzt, etwas zerzaust und nicht mehr ganz taufrisch – und sagte ungefragt:
„Immer geradeaus und den Berg runter.“
Wir bedankten uns höflich.
Für mich zog sich dieser Weg gefühlt ins Unendliche.
Als wir endlich die Haltestelle „Am Kindergarten“ erreichten, stand dort glücklicherweise eine Bank.
Ich ließ mich erschöpft darauf nieder.
Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr über das Eintreffen eines Busses gefreut wie an diesem Tag.
In Amberg stiegen wir noch in unsere Buslinie um.
Zu Hause angekommen, legte ich mich direkt auf die Couch.
Der Tag war für mich gelaufen.
Fazit: Hape hatte recht
Jetzt kann ich Hape Kerkeling noch besser verstehen.
Es ist nicht immer leicht.
Man verläuft sich, schwitzt, flucht gelegentlich innerlich über Muscheln und Berge.
Und trotzdem ist es wunderschön.
Diese Ruhe, die Landschaft, die kleinen Entdeckungen unterwegs – all das macht den Weg besonders.
Unsere nächste Etappe wird von Ensdorf nach Hohenburg führen.
Vielleicht läuft es dann schon besser.
Wobei … ein kleines Abenteuer gehört vermutlich einfach dazu.
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Buch-Tipp
Sollen Sie HaPe Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ noch nicht gelesen haben, dann legen wir es Ihnen hiermit ans Herz. Selbst wenn man fürs Wandern oder den Jakobsweg nichts übrig hat, ist es immer noch eine sehr unterhaltsame Geschichte von einem, der auszog um sich zu finden. Dabei trifft er nicht nur eine ganze Reihe Menschen, die ihre ganz eigenen Geschichten mitbringen, sondern sammelt auch bemerkenswerte Erlebnisse und Momente.
Das Buch könnt Ihr hier bestellen.
Das Ganze gibt es auch als Hörbuch. Unserer Auffassung nach, ist das die bessere Wahl. Kerkeling ließt selbst – und das kann er halt. Hier gibt es das Hörbuch.
Und wenn Sie dann immer noch nicht genug haben – das Buch wurde auch verfilmt. Mit Devid Striesow in der Hauptrolle ist ein wunderbar unterhaltsamer Film mit urkomischen Momenten und wirklich emotionalen Augenblicken entstanden. Unserer Ansicht nach sehenswert – und natürlich hier bestellbar.

















Petra und Harald Graf