Mitsegeln in Kroatien: Mein erster Segeltörn ab Punat
Ich bin kein Segler. Aber ich bin gern im und auf dem Wasser. Die Möglichkeit, einen Mitsegel-Törn zu buchen, kam mir daher gelegen. Was Mitsegeln praktisch bedeutet und was eine Woche vor der kroatischen Küste mit einem macht – darum geht’s in diesem Text.
Route: Punat – Goli Otok – Rab – Krivica Bay – Mali Lošinj – Veli Losinj – Punat
Reisezeitraum: 22.07.2023 bis. 29.07.2023
Gebucht bei: TÜRTLEY Sailing Crew
Text: Harald
Fotos: Harald
Ich bin kein Segler. Aber ich mag das Meer, den mediterranen Raum und eigentlich alles, was schwimmt – solange es nicht gerade untergeht. Die Vorstellung, auf einem Segelboot über die Adria zu schippern, hatte deshalb schon einen gewissen Reiz.
Als sich die Gelegenheit bot, eine Kajüte auf einem Mitsegeltörn in Kroatien zu buchen, musste ich nicht lange überlegen. Gebucht habe ich bei der TÜRTLEY Sailing Crew, einem Anbieter, der sich auf Mitsegeltörns und Yachtcharter spezialisiert hat.
Geplant war eine Woche auf einer Segelyacht vor der kroatischen Küste – gemeinsam mit zwei erfahrenen Skippern und einem Ehepaar, das ich bis dahin noch nicht kannte. Den beiden Skippern Tom und Tommy hatte ich bereits bei der Buchung vorsichtshalber erklärt, dass ich keinerlei Segelerfahrung mitbringe. Mitgenommen haben sie mich trotzdem.
Tom und Tommy heißen übrigens beide Thomas. Die unterschiedlichen Kurzformen dienen schlicht der Unterscheidung.
Warten auf die Yacht – bei kroatischer Sommerhitze
Die Übergabe zog sich erheblich länger hin als erwartet. Offenbar war das auch für den Vermieter ungewöhnlich. Die Temperaturen ließen sich währenddessen nur mit dem Wort schweißtreibend halbwegs angemessen beschreiben.
Der Mitarbeiterin des Vercharterers tat es sichtlich leid, uns immer wieder mitteilen zu müssen, dass es noch etwas dauern würde. Irgendwann hatte sie so viel Mitleid mit uns, dass sie jedem ein kaltes Bier ausgab.
Ich kann ohne Übertreibung sagen: Noch nie hat ein Bier aus der Dose besser geschmeckt.
Schließlich war es dann doch so weit. Wir konnten unsere Yacht übernehmen, und fast zeitgleich kamen Tom, Anita und Stephan mit einem gut gefüllten Kofferraum vom Einkauf zurück. Gemeinsam beluden wir unser schwimmendes Zuhause für die kommenden Tage.
Dabei wurden mir zwei Dinge sehr schnell klar: Erstens braucht man für eine Woche Segeln erstaunlich viel. Zweitens passt in eine Yacht erstaunlich viel hinein.
Wir brachten nicht nur Lebensmittel, Getränke und unser Gepäck an Bord, sondern auch Spülmittel, Küchenrollen, Müllbeutel und viele andere Dinge, an die man bei der romantischen Vorstellung eines Segeltörns zunächst eher nicht denkt. Segeln besteht eben nicht nur aus Wind, Wellen und Sonnenuntergängen. Irgendwohin muss der Abfall, Geschirr will gespült werden und jeder Schluck Wasser, den jemand trinkt, muss zuvor an Bord gebracht werden.
Doch irgendwann war selbst die letzte Flasche Wasser verstaut.
Leinen los Richtung Goli Otok
Nun stellte sich die Frage, ob wir noch am selben Tag auslaufen sollten. Unser erstes Ziel war Goli Otok, die ehemalige jugoslawische Gefängnisinsel.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit blieb noch genügend Zeit. Also fiel die Entscheidung schnell:
Leinen los.
Beim Mitsegeln wird man Teil der Crew
Wer einen Mitsegeltörn bucht, ist nicht einfach nur Passagier. Man wird Teil der Crew – genauer gesagt: Man ist die Crew.
Das bedeutete für mich, dass ich nicht nur die Aussicht genießen, sondern auch mithelfen, zuhören und möglichst schnell lernen sollte und wolte. Wie viel ich dabei tatsächlich beitragen konnte, würde sich noch zeigen. Aber immerhin war ich an Bord, die Yacht verließ den Hafen von Punat – und mein erster Segeltörn hatte begonnen.
Auch Anita und Stephan hatten kaum Segelerfahrung. Doch Tom und Tommy verstanden es hervorragend, uns Schritt für Schritt an das Segeln heranzuführen. Mit kleinen Aufgaben, die wir gut bewältigen konnten, bezogen sie uns von Anfang an in den Bordalltag ein.
Und so glitten wir schon bald im warmen Licht eines sommerlichen Nachmittags durch das glasklare Wasser der Kvarner Bucht.
Etwa auf halber Strecke ließ Tom den Anker fallen.
Badestopp!
Für mich war das der Moment, in dem ich zum ersten Mal dachte: Jetzt bist du wirklich im Urlaub.
Gleichzeitig war es aber auch der Augenblick, in dem ich bedauerte, dass Petra nicht dabei war.
Man sagt ja, Freude sei das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man sie teilt. Ich würde auch sagen: Freude, die man nicht teilen kann, ist nie ganz vollständig.
Trotzdem war der Moment, in dem ich es den anderen gleichtat und mit einem beherzten Sprung ins erstaunlich angenehm temperierte Wasser der Adria eintauchte, einfach unbeschreiblich.
Nach ein paar Schwimmrunden rund ums Boot kletterten wir über die Badeleiter wieder an Bord und nahmen Kurs auf unser erstes Etappenziel.
Lautlos übers Meer
Der Wind meinte es an diesem Tag nicht durchgehend gut mit uns. Immer wieder mussten wir den Motor zur Unterstützung laufen lassen.
Doch immer dann, wenn Tom oder Tommy den Motor abstellten, die Segel den Wind einfingen und plötzlich nur noch das leise Rauschen des Wassers am Rumpf zu hören war, begann für mich die eigentliche Magie des Segelns.
Beim ersten Mal hatte ich regelrecht Gänsehaut.
Plötzlich verstand ich, warum Menschen bereit sind, so viel Zeit und Herzblut in dieses Hobby zu investieren.
Erster Abend auf Goli Otok
Als wir Goli Otok erreichten, zog der Tag bereits den Kürzeren gegen die Nacht. Unser Liegeplatz befand sich an einer langen Kaimauer, die wie ein steinerner Finger ins Meer hinausragte.
Beim Anlegen wurde schnell deutlich, dass Tom und Tommy nicht nur ein eingespieltes Team waren, sondern ihr Handwerk wirklich beherrschten. Jeder Handgriff saß, jedes Kommando kam im richtigen Moment – ruhig, präzise und ohne jede Hektik.
Kaum waren die Leinen fest, verwandelte sich die Kaimauer in unsere Freiluftküche.
Ein Holzkohlegrill wurde aufgebaut, Tom zauberte aus einer der Kühlboxen Würste hervor und der Klapptisch an Deck entfaltete sich zu seiner vollen Größe, sodass wir zu fünft bequem Platz fanden.
Schon kurze Zeit später lag erst der typische Duft glühender Holzkohle über dem kleinen Hafen und kurz darauf der Geruch frisch gegrillter Würste. Zusammen mit ein paar Zutaten aus der Kombüse, kaltem Bier und rotem Wein genoßen wir diesen ersten Abend.
Tag 2: Die ehemalige Gefängnisinsel Goli Otok
Die erste Nacht an Bord war geschafft – und ich hatte erstaunlich gut geschlafen. Offenbar wiegt einen das leichte Schaukeln eines Segelboots sanfter in den Schlaf, als man vermuten würde.
Das Wasser war am Morgen so klar und einladend, dass ich mir noch vor dem Frühstück eine kleine Schwimmrunde gönnte. Einen schöneren Start in den Tag kann man sich eigentlich kaum wünschen.
Das Frühstück bereiteten wir gemeinsam zu und räumten anschließend auch wieder zusammen auf. So läuft das auf einem Mitsegeltörn. Rein formal waren Tom und Tommy zwar unsere Gastgeber. Tatsächlich aber waren wir spätestens jetzt eine Crew geworden, in der jeder mithalf und jeder seinen Teil zum Bordalltag beitrug.
Goli Otok – ein Ort, der nachdenklich macht
Nach dem Frühstück führte uns Tom über die Insel. Wir waren früh unterwegs und hatten das Areal fast für uns allein. Das verlieh diesem ohnehin besonderen Ort noch einmal eine ganz eigene Atmosphäre.
Wer sich näher für die Geschichte der Insel interessiert, findet hier ausführliche Informationen.
Solltet Ihr einmal in dieser Gegend unterwegs sein, kann ich Euch den Besuch nur empfehlen – solange es auf der Insel noch etwas zu sehen gibt. Viele Gebäude verfallen zusehends, und die Natur holt sich das Gelände Stück für Stück zurück.
Tom erzählte uns während des Rundgangs die bewegte Geschichte der Insel. Auf den ersten Blick mag ein Ort, an dem so viel Leid und Unrecht geschehen ist, nicht recht zu einem entspannten Segelurlaub passen.
Ich sehe das anders.
Gerade auf Reisen finde ich es spannend, nicht nur schöne Landschaften kennenzulernen, sondern auch etwas über die Geschichte eines Landes zu erfahren. Erholung und Bildung schließen sich schließlich nicht gegenseitig aus.
Weißwürste mitten in der Adria
Zurück an Bord kühlten wir uns erst einmal mit einem weiteren Sprung ins Meer ab, bevor wir das Mittagessen vorbereiteten.
Wobei ich der Ehrlichkeit halber sagen muss: Den größten Teil der Arbeit erledigte Tom. Anita, Stephan und ich kümmerten uns eher um den gedeckten Tisch und alles Drumherum.
Auf den Tisch kamen tatsächlich…
Weißwürste.
Mitten in der kroatischen Adria hätte ich mit vielem gerechnet – aber sicher nicht damit. Wieder etwas gelernt: Auf einem Segelboot ist offenbar mehr möglich, als man denkt. Vor allem, wenn einer der Skipper eine Art tragbaren Kühlschrank hat, mit dem man für eine durchgehende Kühlkette sorgen kann.
Kurs auf Rab
Nach dem Mittagessen hieß es erneut:
Leinen los!
Unser Tagesziel war die Insel Rab mit ihrer gleichnamigen historischen Altstadt.
Unterwegs legten wir noch einen Badestopp in einer der unzähligen Buchten ein. Ehrlich gesagt könnte ich heute gar nicht mehr sagen, welche es genau war. Aber vermutlich ist genau das das Schöne an der kroatischen Küste: Hinter jeder Landzunge wartet die nächste traumhafte Bucht.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich den Hafen von Rab.
Unser Liegeplatz befand sich mitten zwischen zahlreichen anderen Yachten. Während ich mir noch überlegte, wie man so eine ausgewachsene Yacht wohl in einer nicht wirklich groß wirkenden Lücke zwischen anderen Schiffen einparkt, manövrierte Tommy unser Schiff mit beeindruckender Ruhe und Präzision an seinen Platz.
Von außen sah das fast mühelos aus.
Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass es das nicht war – vielmehr das Ergebnis von Können und Erfahrung. Dass es auch weniger glamourös laufen kann, haben wir ebenfalls mit ansehen können – bei anderen Schiffen wohlgemerkt.
Ein Abend in der Konoba Rab
Nachdem das Schiff sicher vertäut war und wir uns alle ein wenig „stadtfein“ gemacht hatten, führten uns unsere beiden Skipper in eine Konoba.
Als Konoba bezeichnet man in Kroatien traditionelle, meist familiengeführte Lokale – irgendwo zwischen Taverne und Weinschenke. Der Begriff stammt ursprünglich von den kühlen Lagerräumen alter Steinhäuser, in denen Wein, Olivenöl oder Schinken aufbewahrt wurden.
Unser Ziel war die Konoba Rab, versteckt in einer der vielen kleinen Gassen der Altstadt. Ohne die Ortskenntnis von Tom und Tommy wären wir wahrscheinlich achtlos daran vorbeigelaufen.
Und das wäre wirklich schade gewesen.
Auf Empfehlung unserer Skipper bestellten wir einfach eine große Fischplatte und eine ebenso große Fleischplatte für alle zusammen. Dazu kamen verschiedene Beilagen, Wasser und Wein – alles wurde geteilt.
Was soll ich sagen?
Es war ein Fest.
Der Fisch war wunderbar frisch, das Fleisch perfekt gegrillt und herrlich aromatisch. Dazu die entspannte Atmosphäre einer lauen Sommernacht mitten in der Altstadt von Rab.
Solltet Ihr einmal hierherkommen, können wir Euch die Konoba Rab wirklich ans Herz legen.
Schlafen unter Sternen? Fast.
Nach diesem opulenten Abendessen tat ein kleiner Spaziergang rund um den Hafen richtig gut.
Zurück auf dem Schiff saßen auf fast allen Booten noch Menschen an Deck. Die Luft war angenehm warm, irgendwo wurde noch gelacht, anderswo leise gesprochen.
Doch nach und nach verstummten die Gespräche, einer nach dem anderen verschwand in seiner Koje.
Ich glaube, an diesem Abend waren Tommy und ich die Letzten, die noch wach waren.
Als ich schließlich müde wurde, streckte ich mich kurzerhand auf der Sitzbank an Deck aus und beschloss, unter freiem Himmel zu schlafen.
Wobei…
„Ausstrecken“ ist vielleicht das falsche Wort.
Dafür sind meine Beine schlicht ein paar Zentimeter zu lang.
Dass das auf Dauer ganz schön unbequem ist, bemerkte ich allerdings erst einige Stunden später, als ich wieder wach wurde.
Schlafen unter dem Sternenhimmel hat ohne Frage seinen Reiz.
Aber die Koje ist eindeutig komfortabler.
Tag 3: Noch ein Tag in Rab – Hafenetikette, Altstadt und ein aufziehender Sturm
Was wir an Bord über gute Seemannschaft gelernt haben
Bevor ich von unserem dritten Tag erzähle, muss ich noch einen kleinen Einschub zum Thema Hafenetikette machen.
Draußen auf dem Meer oder während eines Badestopps war die Standardkleidung denkbar einfach: Badehose. Mehr brauchte es bei den sommerlichen Temperaturen meist nicht. Feuchte Handtücher hingen – sofern der Wind nicht zu stark war – über der Reling zum Trocknen.
Sobald wir jedoch in einen Hafen einliefen, galten andere Regeln. Unsere Skipper achteten darauf, dass nichts mehr über der Reling hing und jeder zumindest ein T-Shirt trug. Ein bisschen wie die ungeschriebene Regel, dass man auch im Urlaub nicht mit Badehose ins Restaurant geht.
Mir hat das gut gefallen. Ich finde, auch bei dieser recht legeren Art, Urlaub zu machen, darf man sich ein bisschen Stil bewahren.
Überhaupt merkten wir schnell, dass Segeln viel mit Ordnung und Disziplin zu tun hat. Jede Leine wurde nach Gebrauch ordentlich aufgeschossen, jeder Fender hing an seinem Platz und alles hatte seinen festen Ort. Anfangs wirkt das fast etwas übertrieben. Nach ein paar Tagen versteht man aber, warum das so ist.
Spaziergang durch die Altstadt von Rab
Für diesen Vormittag stand keine gemeinsame Aktion auf dem Programm. Wir konnten Rab auf eigene Faust erkunden, bevor wir am Nachmittag die Insel umrunden und auf der anderen Seite im unter Seglern bekannten Restaurant Belvedere, besser bekannt als „Stiegenwirt“, zu Abend essen wollten.
Ich machte mich zunächst auf die Suche nach einem Optiker. Meine Lesebrille hatte beschlossen, dass ihr Urlaub bereits vorbei war, und war auseinander gefallen. Zum Glück entdeckte Anita noch vor mir ein Optikgeschäft und lotste mich dorthin.
Der freundliche Optiker griff zu einer winzigen Schraube, setzte ein paar routinierte Handgriffe an – und schon war meine Brille wieder einsatzbereit. Eine Bezahlung wollte er nicht dafür – ich ließ einen Fünfer in der Kaffekasse da.
Danach schlenderte ich ohne festes Ziel durch die Gassen der Altstadt.
Normalerweise hätte ich diesen Spaziergang mit Petra gemacht. Und genau in dem Moment, als ich dachte: Schade, dass sie das gerade nicht sehen kann, ploppte eine WhatsApp-Nachricht von ihr auf. Also rief ich sie kurzerhand per Video an und nahm sie ein Stück mit durch die engen Gassen von Rab. Kein Ersatz für einen gemeinsamen Urlaub – aber immerhin die zweitbeste Lösung.
Natürlich blieb es nicht bei der Videoführung. In einem kleinen Geschäft fand ich noch ein Mitbringsel für sie: ein Set mit verschiedenen aromatischen Ölen.
Rab ist schön – aber sehr touristisch
Die Altstadt von Rab ist wirklich sehenswert. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass sich viele Geschäfte inzwischen stark auf Touristen eingestellt haben.
Das Angebot wiederholt sich häufig, die Preise sind entsprechend selbstbewusst und wer etwas wirklich Authentisches sucht, muss schon etwas genauer hinschauen. Mit ein wenig Geduld findet man aber durchaus den einen oder anderen kleinen Laden, der aus der Masse heraussticht.
Der Wetterumschwung kündigt sich an
Gegen Mittag trafen wir uns alle wieder in einem Café direkt am Wasser.
Dort eröffnete uns Thommy, dass unser Plan vermutlich nicht aufgehen würde. Ein Sturm zog auf und es sah ganz danach aus, als müssten wir unseren geplanten Törn zum Stiegenwirt verschieben.
Selbst in der geschützten Hafenbucht frischte der Wind bereits spürbar auf. Die Sonnenschirme flatterten kräftig und die Kellner räumten vorsorglich alles von den Tischen, was leicht genug war, um sich selbstständig zu machen.
Zum ersten Mal auf dieser Reise merkten wir, dass das Wetter auf See eben doch den Takt vorgibt – und nicht unser Terminplan.
Der Sturm wirbelt unsere Pläne durcheinander
Der Wind ließ im Laufe des Nachmittags zwar wieder etwas nach, an unseren ursprünglichen Plänen änderte das aber nichts. Die geplante Umrundung der Insel, um den unter Seglern bekannten Stiegenwirt anzulaufen, war endgültig gestrichen.
Der Grund war einfach: Wegen des angekündigten Sturms suchten immer mehr Yachten Schutz im Hafen von Rab. Jeder wollte noch einen sicheren Liegeplatz ergattern. Hätten wir unseren aufgegeben, wäre nicht sicher gewesen, ob wir später wieder einen bekommen hätten. Im schlimmsten Fall hätten wir den Sturm in einer kleinen Bucht oder an einem einfachen Anleger ohne Infrastruktur aussitzen müssen.
Unsere Skipper entschieden deshalb, im Hafen zu bleiben. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung.
Mit dem Taxi zum Stiegenwirt
Auf den Stiegenwirt verzichten mussten wir trotzdem nicht.
Statt mit der Yacht fuhren wir mit dem Taxi.
Der eigentliche Star des Restaurants ist allerdings nicht die Küche, sondern die Aussicht. Von der Terrasse blickt man über eine wunderschöne Bucht und die umliegenden Hügel. Ich habe natürlich versucht, dieses Panorama mit der Kamera festzuhalten.
Vergeblich.
Die Fotos vermitteln zwar einen Eindruck – aber längst nicht das, was man dort tatsächlich erlebt.
Kulinarisch fällt mein Urteil etwas nüchterner aus. Schlecht gegessen haben wir keineswegs. Aber an die Konoba Rab vom Vorabend kam der Stiegenwirt für meinen Geschmack nicht heran. Dazu war er auch noch ein wenig teurer.
Mein Fazit lautet deshalb:
Allein wegen der Aussicht lohnt sich der Besuch auf jeden Fall – besonders, wenn man wie wir den Sonnenuntergang erlebt. Wer mit einer Yacht dort anlegt und anschließend die berühmten Stufen zum Restaurant hinaufsteigt, nimmt sicher ein besonderes Erlebnis mit.
Nur wegen des Essens würde ich den Weg allerdings kein zweites Mal hier her finden.
Gewitter über Rab
In der Nacht erreichte uns schließlich der angekündigte Sturm – begleitet von einem kräftigen Gewitter.
Zum Glück hatten wir alles, was nicht nass werden sollte, rechtzeitig unter Deck verstaut.
Gegen Morgen ließ das Gewitter nach. Der Starkregen ging zunächst in einen anhaltenden Landregen über, ließ fast vollständig nach, sammelte noch einmal alle Kräfte für einen letzten kräftigen Guss – und verzog sich schließlich.
Wenig später zeigte sich sogar wieder die Sonne.
An Auslaufen war trotzdem noch nicht zu denken.
Draußen auf dem offenen Meer herrschte noch immer zu viel Wind. Tom und Tommy entschieden deshalb, einen weiteren Tag in Rab zu bleiben.
Eine Entscheidung, die mir imponiert hat.
Gute Skipper erkennt man nicht daran, dass sie bei jedem Wetter auslaufen und Wind und Wellen trotzen – sondern daran, dass sie es eben auch einmal bleiben lassen.
Ein ungeplanter Tag in Rab
Uns kam der zusätzliche Hafentag durchaus gelegen.
Wir nutzten die Zeit für einen weiteren gemeinsamen Spaziergang durch die Altstadt, verbrachten einen herrlich entspannten Nachmittag in einer urigen Strandkneipe mit einem ausgezeichneten Imbiss und besuchten anschließend noch eine kleine Badebucht unweit der Marina, die vermutlich zu einem Hotel gehörte.
Und weil wir das auch einmal erlebt haben wollten, ließen Tom und Tommy sogar das Beiboot zu Wasser.
So überquerten wir das Hafenbecken diesmal auf dem Wasserweg, statt außen herumzulaufen.
Objektiv betrachtet wäre der Fußweg vermutlich nicht viel langsamer gewesen. Das Boot musste ja erst einmal ins Wasser und so ganz klar war nicht wie viele von uns es überhaupt tragen konnte.
Gefühlt war die Fahrt mit dem Beiboot aber eindeutig die schönere Variante.
Mit der Aussicht, am nächsten Morgen endlich wieder auslaufen zu können, verzogen wir uns schließlich nach und nach in unsere Kojen.
Endlich wieder Segeln
Am nächsten Morgen konnten wir Rab tatsächlich verlassen.
Nach dem Frühstück hieß es wieder: Leinen los!
Zunächst nahmen wir Kurs aufs offene Meer. Es ging gar nicht darum, möglichst schnell irgendwo anzukommen. Beim Segeln ist der Weg mindestens genauso wichtig wie das Ziel. Wind, Sonne, das glitzernde Wasser und das leise Rauschen am Boot – genau dafür waren wir schließlich hier.
Inzwischen vertrauten uns Tom und Tommy so weit, dass wir – die bis vor wenigen Tagen noch völlig ahnungslosen Passagiere – nacheinander selbst einmal das Steuer übernehmen durften.
Für mich war das einer der Höhepunkte der ganzen Reise.
Eine Yacht unter Motor zu steuern macht durchaus Spaß. Aber sobald der Motor verstummt, der Wind die Segel bläht und das Boot allein durch seine Kraft Fahrt aufnimmt, verändert sich etwas.
Und wenn man dann selbst am Steuer steht und den Kurs bestimmt, bekommt das Ganze noch einmal eine völlig andere Dimension.
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich dieses Gefühl richtig beschreiben soll.
Vielleicht genügt ein Satz:
Es war einfach großartig.
Oder, etwas weniger literarisch und dafür näher an meinem ersten Gedanken:
Es war der Oberknaller.
Kleiner Tipp gegen Seekrankheit
Falls Ihr selbst einmal einen Mitsegeltörn plant, nehmt vorsorglich ein paar Kaugummis gegen Seekrankheit mit.
Tom und Tommy hatten zwar auch ein rezeptfreies Medikament gegen Reisekrankheit an Bord, doch Anita war bestens vorbereitet und verteilte im richtigen Moment ihre Anti-Seekrankheits-Kaugummis.
Warum das sinnvoll war?
Ganz einfach: Guter Segelwind bedeutet meist auch, dass das Boot ordentlich arbeitet. Es geht spürbar auf und ab – und wer das nicht gewohnt ist, merkt ziemlich schnell, dass der Gleichgewichtssinn plötzlich seine eigenen Vorstellungen entwickelt.
Zum Glück taten die Kaugummis genau das, was sie sollten.
Jedenfalls blieb unsere Crew komplett von der Seekrankheit verschont.
Eine Bucht, die man nicht vergisst
Am Nachmittag erreichten wir eine der vielen traumhaften Buchten entlang der kroatischen Küste.
Ganz allein waren wir zwar nicht. Einige andere Yachten lagen bereits vor Anker. Trotzdem fühlte sich dieser Ort besonders an. Die Bucht war ausschließlich vom Wasser aus erreichbar – genau das machte ihren Reiz aus.
Wir vertäuten unsere Yacht in sicherem Abstand zum Ufer. Die Felsen waren schroff und messerscharf. Den Kontakt zwischen ihnen und unserem Bootsrumpf wollte ganz offensichtlich niemand riskieren.
Warum Badeschuhe auf die Packliste gehören
Spätestens jetzt zeigte sich, dass die Packliste, die wir einige Wochen vor Reisebeginn erhalten hatten, mit viel Erfahrung zusammengestellt worden war.
Ganz oben darauf standen Badeschuhe.
Natürlich hatte ich mir welche besorgt.
Und spätestens jetzt war ich froh darüber.
Mit dem Beiboot setzten wir ans Ufer über, um den kleinen Wald rund um die Bucht zu erkunden. Schon beim Aussteigen wäre ich ohne die Badeschuhe vermutlich nicht besonders weit gekommen. Die scharfkantigen Felsen hätten meinen Fußsohlen wohl innerhalb weniger Sekunden deutlich gemacht, wer hier das Sagen hat.
Auch später, als wir im glasklaren Wasser schwammen und ohne Beiboot ans Ufer gingen, waren die Schuhe Gold wert.
Meine Empfehlung: Schwimmschuhe
Die Schwimmschuhe von der Packliste haben sich in Kroatien definitiv bewährt. Gerade an felsigen Küsten und bei scharfkantigen Steinen machen sie den Einstieg ins Wasser deutlich angenehmer.
Ich habe dabei keine besonders teuren Modelle gekauft. Leichte, flexible Schwimmschuhe mit einer vernünftigen Sohle reichen meiner Erfahrung nach völlig aus – und nehmen im Gepäck kaum Platz weg.
Zu den Schwimmschuhen bei Amazon: KLICK
(Anzeige)
Einer dieser perfekten Urlaubstage
Der Nachmittag und der Abend in dieser Bucht gehörten zu den Momenten, von denen man sich wünscht, dass sie niemals zu Ende gehen.
Und wieder erwischte ich mich bei dem Gedanken, wie schön es gewesen wäre, wenn Petra dabei gewesen wäre.
Vielleicht verschlägt es uns irgendwann tatsächlich gemeinsam auf ein Segelboot.
Und wenn das passiert, dann hoffentlich wieder nach Kroatien.
Die kleinen Buchten, das glasklare Wasser, die Altstadt von Rab – all das würde ich nur zu gern einmal mit ihr teilen.
Da es rund um die Bucht keinerlei Infrastruktur gab, war an diesem Abend Selbstversorgung angesagt.
Was überhaupt kein Nachteil war.
Gemeinsam richteten wir eine zünftige mediterrane Brotzeit her, saßen noch lange an Deck und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Überhaupt muss ich an dieser Stelle einmal sagen:
Tom und Tommy haben sich während der gesamten Woche wirklich hervorragend um unser leibliches Wohl gekümmert.
Ein Windstoß aus dem Nichts
Ganz ruhig blieb der Abend allerdings nicht.
Wie aus dem Nichts fegte plötzlich ein heftiger Wind durch die Bucht.
Unsere Skipper reagierten sofort und klappten das Faltdach über dem Steuerstand zusammen, damit es keinen Schaden nehmen konnte.
Der Spuk dauerte nur wenige Minuten.
So schnell, wie der Wind gekommen war, war er auch wieder verschwunden.
Tommy erklärte uns anschließend sogar, welches Wetterphänomen wir gerade erlebt hatten.
Leider habe ich den Namen inzwischen vergessen.
Nur eines weiß ich noch:
Die Bora war es nicht.
Über die Bora hatten wir bereits unterwegs gesprochen. Tommy erklärte uns, dass sich dieser berühmte Fallwind häufig schon aus der Ferne ankündigt. Hätten wir über den Inseln sogenannte Wolkenwalzen gesehen, wäre besondere Vorsicht angesagt gewesen.
Zum Glück blieb uns das erspart.
Wenig später bauten wir das Faltdach wieder auf und setzten unseren Abend fort, als wäre nichts gewesen.
Eine schmerzhafte Begegnung
Auch an diesem Abend machte ich Bekanntschaft mit einer Wespe.
Genauer gesagt: mit einer, die sich ausgerechnet hinter mir auf dem Polster niedergelassen hatte.
Die Wespen kamen regelmäßig zum Boot. Manche interessierten sich offenbar für die Wassertropfen, noch am Süßwasserschlauch oder an den Bordwänden hingen. Andere hofften vermutlich auf einen kleinen Anteil unseres Abendessens.
Diese hier hatte sich allerdings einen denkbar ungünstigen Platz ausgesucht.
Als ich mich gemütlich zurücklehnen wollte, protestierte sie mit einem Stich.
Nun ja – jeder, der schon einmal von einer Wespe gestochen wurde, weiß ungefähr, wie sich das anfühlt. Ich gehöre glücklicherweise nicht zu den Menschen, die besonders heftig darauf reagieren. Angenehm war es trotzdem nicht.
Zum Glück hatte Stephan einen sogenannten Hitzestift (oft auch als Insektenstichheiler bekannt) dabei. Man setzt ihn kurz auf den Stich, er erwärmt die Stelle für ein paar Sekunden – und tatsächlich ließen Brennen und Juckreiz erstaunlich schnell nach.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt, wie gut das funktionierte.
Lektion des Tages
Bevor man sich auf einem Segelboot entspannt zurücklehnt, lohnt sich gelegentlich ein kurzer Blick nach hinten.
Man weiß nie, wer den Platz bereits reserviert hat.
Ein langer Abend unter Freunden
Der Abend ging langsam in die Nacht über.
Wie schon an den Tagen zuvor saßen wir noch lange zusammen an Deck. Erstaunlicherweise ging uns der Gesprächsstoff überhaupt nicht aus.
Eigentlich hätte das gar nicht überraschen dürfen.
Schließlich kannten wir uns vor dieser Reise teilweise überhaupt nicht und teilweise nur, soweit es eben für die Buchung des Törns erforderlich war.
Jeder brachte seine eigenen Geschichten, Erlebnisse und Anekdoten mit – und für die anderen waren sie alle neu.
So verging die Zeit fast unbemerkt.
Irgendwann wurde einer nach dem anderen müde und verschwand in seiner Koje.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wer an diesem Abend als Letzter ins Bett ging.
Unsere Empfehlung: Insektenstichheiler
Manche Dinge nimmt man mit und hofft, dass man sie nie braucht. Diesen kleinen Insektenstichheiler hatten wir auf unserem Segeltörn tatsächlich im Einsatz – genauer gesagt hatte Stephan ihn dabei und ich durfte ihn ausprobieren, nachdem mich eine Wespe gestochen hatte.
Der Stichheiler wird für einige Sekunden auf die betroffene Stelle gedrückt und arbeitet nur mit Wärme. Bei mir ließen Brennen und Juckreiz danach tatsächlich spürbar nach. Das kleine Gerät braucht kaum Platz und ist deshalb inzwischen für uns ein sinnvoller Begleiter auf Reisen und bei Wanderungen – gerade im Sommer.
Hier könnt Ihr den Insektenstichheiler bestellen
Hinweis: Wenn Ihr über unseren Link bestellt, erhalten wir eine kleine Provision. Für Euch bleibt der Preis selbstverständlich gleich. Damit unterstützt Ihr unseren Reiseblog – vielen Dank!
Neues Segelglück – auf nach Mali Lošinj
Hoch hinaus – zumindest einer von uns
Der neue Tag begann gleich mit einer besonderen Attraktion.
Nach dem Frühstück konnte sich jeder, der wollte, mit Klettergurt und Seil bis zur Mastspitze hochziehen lassen. Stephan wollte hinauf – und wir verdanken ihm einige wirklich spektakuläre Fotos. Früher hätte man vermutlich einfach von einer ungewöhnlichen Perspektive gesprochen. Heute nennt man das wohl eher Drohnenperspektive.
Ich habe mir den Ausflug nach oben gespart.
Eigentlich bin ich für solche Aktionen durchaus zu haben. Aber an diesem Morgen gefiel mir die Rolle des Zuschauers – und die desjenigen, der am Seil zieht – deutlich besser.
Nachdem wieder alle sicher festen Boden unter den Füßen beziehungsweise Deck unter den Schuhen hatten, räumten wir gemeinsam auf, machten die Yacht startklar, lichteten den Anker und verließen unsere idyllische Bucht.
Begegnung mit einer schwimmenden Villa
Kaum hatten wir abgelegt, zog eine riesige Motoryacht an uns vorbei.
Sie sollte uns später am Tag noch einmal begegnen. Außer natürlich, in Kroatien fahren zufällig mehrere schwimmende Einfamilienhäuser dieser Größenordnung herum.
Ich fragte mich unwillkürlich:
Was macht man eigentlich, wenn man den Gegenwert eines halben Stadtviertels für eine Yacht ausgegeben hat und dann feststellt, dass der Milliardär nebenan exakt das gleiche Modell besitzt?
Ist das ähnlich unerquicklich wie zwei Damen, die mit dem gleichen Kleid zur gleichen Feier erscheinen?
Oder freut man sich einfach, endlich jemanden mit ebenso ausgezeichnetem Geschmack getroffen zu haben?
Fragen, die mich vermutlich nie persönlich beschäftigen werden.
Kurs auf Mali Lošinj
Für diesen Tag hatten wir zwei Ziele: Mali Lošinj und später die Rovenska-Bucht.
Wir verließen – soweit ich mich erinnere – die Krivica Bay und nahmen zunächst wieder Kurs aufs offene Meer.
Eine kleine Episode vom Morgen möchte ich noch erzählen.
Schon kurz nach Sonnenaufgang tuckerte ein Händler mit seinem Boot von Yacht zu Yacht und bot Brot, Obst, Getränke und allerlei andere nützliche Dinge an.
Ich meine, wir haben ihm ein Brot abgekauft.
Objektiv betrachtet war das natürlich ziemlich teuer.
Subjektiv betrachtet war es eine charmante Idee. Und wenn einem morgens das frische Brot ausgegangen ist, dürfte dieser schwimmende Supermarkt ein echter Segen sein.
Zwei Stunden Segelgenuss
Der Wind meinte es an diesem Vormittag ausgesprochen gut mit uns. Schon bald konnten wir den Motor abstellen und gut zwei Stunden ausschließlich unter Segeln unterwegs sein.
Natürlich wäre der direkte Weg nach Mali Lošinj deutlich kürzer gewesen. Aber inzwischen hatte ich gelernt: Beim Segeln ist der Weg oft das eigentliche Ziel.
Man kreuzt gegen den Wind, nimmt Umwege in Kauf und freut sich trotzdem über jede Minute auf dem Wasser. Vielleicht sogar gerade deswegen.
Ein kurzer Zwischenstopp in Mali Lošinj
Als der Wind am frühen Nachmittag langsam einschlief, nahmen wir schließlich direkten Kurs auf Mali Lošinj.
Der Ort liegt am Ende einer lang gezogenen, tief eingeschnittenen Bucht. Bevor wir jedoch festmachten, steuerten wir zunächst die Tankstelle an, um unsere Dieselvorräte wieder aufzufüllen.
Erst danach ging es an den Liegeplatz.
Da wir am selben Nachmittag noch weiterfahren wollten, blieb nicht allzu viel Zeit für die Stadt.
Ein kleiner Spaziergang durch die Gassen, ein Kaffee, ein paar Flaschen Wasser, etwas Obst – und eine Tüte mit luftgetrocknetem Schinken, der sich als ausgesprochen gute Entscheidung herausstellte.
Tipp des Tages
Wenn Ihr in einem kleinen Laden Eure Wasservorräte auffüllt und gleich einen ganzen Sixpack kauft, fragt unbedingt nach, ob der ausgezeichnete Preis für eine Flasche oder für den gesamten Sixpack gilt.
Das erspart unter Umständen eine kleine Überraschung an der Kasse.
Zurück an Bord verstauten wir unsere Einkäufe, lösten die Leinen und nahmen Kurs auf unser nächstes Ziel.
Sonnenuntergang auf dem Weg nach zur Rovenska-Bucht
Ein kleiner Umweg mit großem Charme
Unser Plan war, die letzte Nacht – na gut, eigentlich die vorletzte, aber dazu später mehr – in Veli Losinj in der Rovenska-Bucht zu verbringen.
Von Mali Lošinj aus kann man mit dem Boot normalerweise durch eine schmale Passage unter einer Brücke hindurchfahren und sich so die Umrundung der halben Insel sparen. Allein diese Durchfahrt wäre schon eine kleine Attraktion gewesen.
Allerdings gibt es dafür eine entscheidende Voraussetzung:
Man braucht ausreichend Wasser unter dem Kiel.
Tommy erkundigte sich telefonisch nach den aktuellen Bedingungen. Die Auskunft fiel allerdings so aus, dass unsere Skipper lieber den längeren Weg um die Südspitze der Insel wählten.
Ein paar Zentimeter Wasser zwischen Boot und Meeresgrund waren ihnen dann doch zu wenig.
Und ganz ehrlich:
Mir war diese Entscheidung deutlich lieber als ein Blogartikel mit dem Titel „Wie wir unsere Yacht auf kroatischen Felsen geparkt haben.“
Wenn der Weg schöner ist als die Abkürzung
So richtig enttäuscht war ohnehin niemand.
Wir segelten gemütlich an der Küste entlang, während die Sonne langsam immer tiefer sank. Das Licht wurde weicher, die Farben wärmer und das Meer schimmerte in immer neuen Blautönen.
Viel gesprochen haben wir in dieser Zeit nicht.
Jeder hing ein wenig seinen Gedanken nach.
Auch ich.
Und wieder dachte ich, wie schön es wäre, das alles gemeinsam mit meiner Frau erleben zu können.
Vielleicht gehen wir ja eines Tages tatsächlich zusammen segeln.
Wenn, dann sehr gern wieder hier.
Denn genau für solche Augenblicke lohnt sich diese Art des Reisens. Ohne Eile übers Wasser gleiten, den Wind genießen und einfach nur zusehen, wie der Tag langsam zu Ende geht.
Ein malerischer Abend in der Rovenska-Bucht
Als wir schließlich die Rovenska-Bucht erreichten, stand die Sonne bereits tief über dem Horizont.
Die kleine Bucht ist überschaubar, aber ausgesprochen malerisch. Veli Losinj schmiegt sich eng an die Küste, am Hafen gibt es einen Anleger, der offenbar irgendwann einmal erweitert wurde, und gleich dahinter liegen die Terrassen zweier Restaurants mit Blick aufs Wasser.
Nachdem das Schiff sicher festgemacht war, machten wir uns kurzerhand restauranttauglich und spazierten die wenigen Meter zum ersten der beiden Lokale.
Wir fanden einen Tisch auf der Terrasse – natürlich mit Blick aufs Meer.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
Schön gelegen – mit kleinen Überraschungen auf der Rechnung
Auch dieser Abend war wieder ausgesprochen gelungen.
Wie schon zuvor teilten wir Wasser, Wein und Brot miteinander, während sich jeder sein Hauptgericht selbst aus der Speisekarte aussuchte.
Mein Fazit fällt ähnlich aus wie schon beim Stiegenwirt:
Man sitzt dort wunderschön direkt am Wasser – und genau das spiegelt sich auch im Preis wider.
Das Essen war gut.
Aber an die Konoba Rab kam es für meinen Geschmack nicht ganz heran.
Eine kleine Überraschung gab es dann noch beim Brot.
Zu Beginn fragte uns die Bedienung, ob wir Brot möchten.
Natürlich wollten wir.
Kurz darauf standen zwei Brotkörbchen auf dem Tisch.
Später fragte sie noch einmal nach, ob wir Nachschub möchten.
Irgendjemand sagte spontan „Ja“.
Also kamen zwei weitere Körbchen.
Beim Blick auf die Rechnung verstanden wir schließlich, warum die Bedienung so freundlich nachgefragt hatte.
Das Brot wurde nämlich nicht pro Körbchen berechnet, sondern pro Person am Tisch.
Ich meine, es waren rund drei Euro pro Person und Runde.
Bei fünf Personen summiert sich das erstaunlich schnell.
Man lernt eben nie aus.
Langsam macht sich Abschiedsstimmung breit
So schön der Abend auch war – über unserer kleinen Reisegruppe lag inzwischen ein Hauch von Wehmut.
Für den nächsten Tag war die Rückfahrt nach Punat geplant.
Noch einmal segeln.
Noch einmal ein Badestopp.
Und anschließend würden wir unsere Sachen zusammenpacken und das Schiff ausräumen.
Eigentlich hätten wir noch eine weitere Nacht an Bord verbringen können.
Nach kurzer Beratung waren wir uns jedoch ziemlich einig.
Lieber am Freitagabend gemütlich nach Hause fahren, als am Samstagmorgen mit der halben Marina gleichzeitig das Schiff übergeben und anschließend gemeinsam mit tausenden anderen Urlaubern Richtung Heimat aufbrechen.
Aber noch war es nicht so weit.
Noch saßen wir zusammen.
Noch war unsere Reise nicht zu Ende.
Tipp des Tages
Wenn in einem Restaurant gefragt wird, ob Ihr noch ein Körbchen Brot möchtet, lohnt sich manchmal eine kurze Nachfrage, wie genau das berechnet wird.
Es könnte günstiger sein, als wir es erlebt haben.
Oder eben auch nicht.
Tag 6: Ein letztes Mal mit den Segeln im Wind
Perfekter Wind zum Abschied
Schon beim Frühstück hatten Tom und Tommy gute Nachrichten für uns.
Sie hatten natürlich längst die Wetterlage geprüft und waren zuversichtlich, dass wir für unsere Rückfahrt nach Punat nahezu perfekte Segelbedingungen bekommen würden.
Besser konnte der letzte Segeltag eigentlich kaum beginnen.
Da die Strecke nach Punat noch ein gutes Stück war und wir unterwegs unbedingt noch einen Badestopp einlegen wollten, machten wir uns schon recht früh auf den Weg.
Für unseren letzten Badestopp suchte Tom noch einmal eine der vielen kleinen Buchten aus.
Schöner als die vorherigen?
Das kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen.
Sie waren einfach alle wunderschön.
Der Himmel hatte sich inzwischen etwas zugezogen – fast so, als würde selbst das Wetter merken, dass unsere gemeinsame Woche langsam zu Ende ging.
Noch einmal ins Wasser
Auch an diesem Vormittag wurden wir wieder von unseren geflügelten Begleitern besucht.
Die Wespen interessierten sich offenbar weniger für uns als für die Wassertropfen, die nach dem Abspülen des Salzwassers noch am Süßwasserschlauch hingen.
Mehr als eine saß dort seelenruhig und trank.
Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die diese Bucht als angenehmen Rastplatz empfanden.
Nach einem letzten Sprung ins herrlich klare Wasser hieß es endgültig:
Anker auf.
Ein letzter Segeltag wie aus dem Bilderbuch
Schon bald erreichten wir wieder das offene Meer. Der Wind frischte genauso auf, wie unsere Skipper es vorhergesagt hatten.
Die Segel wurden gesetzt. Der Motor verstummte.
Und wenig später glitt unsere Yacht wieder allein mit der Kraft des Windes durch die Wellen. Diesmal sogar mit recht ordentlicher Geschwindigkeit. Auch die Kaugummis gegen Seekrankheit bewährten sich ein weiteres Mal.
Jeder von uns durfte noch einmal das Steuer übernehmen. Für mich war das noch einmal ein ganz besonderer Moment.
Zu spüren, dass ich das Boot inzwischen einigermaßen auf Kurs halten konnte, war schon sehr erhebend. Vor einer Woche hatte ich praktisch keine Ahnung vom Segeln. Jetzt durfte ich eine Yacht durch die Adria steuern. Natürlich ging das nur unter Aufsicht. Wäre mir ein Missgeschick passiert oder hätten sich die Bedingungen geändert – unsere Skipper waren direkt neben mir und hätten in einer Sekunde eingreifen können..
Von der Rovenska-Bucht aus führte unser Kurs in einem weiten Bogen nach Norden. Wir ließen Rab steuerbord liegen und näherten uns nach einigen Stunden langsam wieder Krk und schließlich Punat.
Dieser letzte Segeltag hatte noch einmal alles, was diese Reise für mich so besonders gemacht hatte:
Wind. Wasser. Sonne.
Und dieses wunderbare Gefühl, lautlos über das Meer zu gleiten.
Zurück in Punat
Am späten Nachmittag liefen wir wieder in die Marina von Punat ein. Nach dem Anlegen ging alles erstaunlich schnell.
Wir begannen sofort damit, das Schiff auszuräumen, unser Gepäck zusammenzupacken und alles, was zur Yacht gehörte, wieder sorgfältig an seinen Platz zu räumen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir an diesem Nachmittag über die Stege gelaufen sind.
Diesmal lag unser Liegeplatz deutlich weiter vom Marina-Gebäude entfernt als zu Beginn der Reise.
Tommy kontrollierte anschließend alles noch einmal ganz genau – schließlich sollte die Yacht in dem Zustand zurückgegeben werden, in dem wir sie übernommen hatten. Seine Herangehensweise war, bereits vor der Übergabe zu wissen, dass alles in Ordnung ist. Das Einzige, was Tommy vorher nicht selbst prüfen konnte, war der Rump. Dafür kam ein Taucher, der den Rumpf auf eventuelle Schäden untersuchte.
Als wir fertig waren, kündigte sich bereits die Dämmerung an. Die Yacht war übergeben. Unser Gepäck verstaut. Unsere Segelwoche offiziell beendet.
Abschied ohne Abschlussessen
Eigentlich hatten wir geplant, zum Abschluss noch einmal gemeinsam essen zu gehen. Doch das Restaurant direkt an der Marina war komplett ausgebucht.
Eineinhalb Stunden Wartezeit. Das erschien uns dann doch etwas lang. Also versuchten wir unser Glück bei einem anderen Restaurant.
Nur…
…das existierte offenbar nur noch bei Google Maps.
Schließlich hielten wir mit unseren Autos an einer Tankstelle und berieten kurz, ob wir noch eine dritte Möglichkeit suchen sollten. Die Entscheidung fiel einstimmig. Wir würden gleich die Heimreise antreten.
Eben hatten wir noch gedacht, unsere gemeinsame Woche gemütlich bei einem Abendessen ausklingen zu lassen.
Und plötzlich hieß es: „Tschau. Gute Heimfahrt.“
Manchmal endet eine Reise schneller, als man erwartet. Der Abschied dauerte nur wenige Minuten, wurde aber sehr emotional und es flossen tatsächlich Tränen. Ich glaube, das sagt mehr über diese Woche aus als noch mehr Worte.
Wieder zuhause
Wegen der zu erwartenden Rückreisewelle am Samstag war unsere Entscheidung goldrichtig. Anita und Stephan meldeten sich als Erste, dass sie gut daheim angekommen seien.
Ein wenig erreichten Tommy und Tom ihre Heimatadressen.
Da wir von allein Reiseteilnehmern am weiteste im Norden wohnen, hatte ich auch den längsten Weg. Aber gegen acht Uhr war auch ich daheim.
Petra, die ein paar Tage bei unserem Sohn in Landshut verbracht hatte, kam gegen halb elf nach Hause. Bis dahin hatte ich schon ein wenig geschlafen und ein gemeinsames Frühstück vorbereitet, zu dem Petra Brezen und Weißwürste mitgebracht hatte. Eine bessere Gelegenheit hätte es kaum geben können, uns gegenseitig von unseren Erlebnissen der vergangenen Woche zu erzählen.
Fazit: Ein Urlaub wie kein zweiter.
Als diese Reise begann, schrieb ich:
„Ich bin kein Segler.“
Daran hat sich eigentlich nichts geändert. Ich besitze noch immer keine Yacht. Und vermutlich werde ich auch keine kaufen. Aber heute verstehe ich sehr viel besser, warum Menschen ihr Herz an dieses Hobby verlieren. Segeln bedeutet eben weit mehr, als nur von einem Hafen zum nächsten zu fahren. Es bedeutet, unterwegs zu sein. Wind und Wetter zu akzeptieren und zu spüren.
Gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Und mit Menschen, die wenige Tage zuvor noch Fremde waren, eine Crew zu werden. Genau das macht einen Mitsegeltörn für mich zu einem ganz besonderen Erlebnis. Wer das Meer, den Wind und das Gefühl liebt, unterwegs zu sein, dem kann ich so eine Woche nur empfehlen. Und wer es etwas rauer mag als die kroatische Adria: Tommy bietet mit seinem Unternehmen Ritzau Yachting unter anderem auch Törns in Schottland an.
Pro-Tipp: Ein kleines Erste-Hilfe-Set gehört in jedes Reisegepäck
Zum Glück mussten wir unser Erste-Hilfe-Set bisher noch nie benutzen – und wir hoffen natürlich, dass das auch so bleibt. Trotzdem gehört es bei uns auf jeder Reise dazu, egal ob auf dem Jakobsweg, beim Segeln oder bei einer kleinen Tour daheim.
Eine Blase, ein aufgeschürftes Knie oder ein kleiner Schnitt sind schnell passiert. Dann ist es beruhigend, wenn man Pflaster, Verband und das Wichtigste sofort griffbereit hat. Das Set ist leicht, kompakt und nimmt im Rucksack kaum Platz weg – genau deshalb ist es bei uns immer dabei.
Hinweis: Wenn Ihr über unseren Link bestellt, erhalten wir eine kleine Provision. Für Euch bleibt der Preis selbstverständlich gleich. Damit unterstützt Ihr unseren Reiseblog – vielen Dank!
Bestellen könnt Ihr sie hier.
(Anzeige)
Viele (aber nicht alle und auf dieser Reise gar keine) unserer Fotos machen wir mit der EOS R10 von Canon. Wir verwenden Sie im Moment mit dem mitgelieferten RF-S 18-45mm F4.5-6.3 is STM Zoomobjektiv.
Und wir lernen die Möglichkeiten dieser tollen Kamera gerade erst kennen. Gekauft haben wir sie hier.
Hinweis: Wenn Ihr über unseren Link bestellt, erhalten wir eine kleine Provision. Für Euch bleibt der Preis selbstverständlich gleich. Damit unterstützt Ihr unseren Reiseblog – vielen Dank!
(Anzeige)













































































Petra und Harald Graf